Nachfolger des gefeuerten Schills designiert

22. August 2003, 10:00
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Dirk Nockemann ist langjähriger Weggefährte des ehemaligen Innensenators der Hansestadt

Hamburg - Der bisherige Büroleiter des entlassenen Hamburger Innensenators Ronald Schill, Dirk Nockemann, soll neuer Innensenator der Hansestadt werden. Schills frühere rechte Hand in der Innenbehörde sagte am Donnerstag, er stehe für dieses Amt zur Verfügung. Die Fraktion der Schill-Partei, die für diese Position das Vorschlagsrecht hat, hatte sich bereits am Mittwochabend für Nockemann ausgesprochen. Der hatte sich jedoch Bedenkzeit erbeten.

Nockemann ist seit 2001 Bürgerschaftsabgeordneter der Schill-Partei in der Hansestadt. Nach seinem Jus-Studium in Bochum war Nockemann zunächst als Referatsleiter des Innenministeriums in Mecklenburg-Vorpommern tätig. 1993 wurde er dort Direktor des Landesamtes für Asyl- und Flüchtlingsangelegenheiten. Nockemann gilt als langjähriger Weggefährte Schills.

Bausenator Mario Mettbach übernimmt Funktion des zweiten Bürgermeisters

Fraktionschef Norbert Frühauf, dem ebenfalls Interesse an dem Posten nachgesagt worden war, hatte erklärt, er wolle nicht wechseln. Zum Nachfolger für Schill als zweiter Bürgermeister Hamburgs ernannte Erster Bürgermeister Ole von Beust (CDU) am Donnerstag den Bundesvorsitzenden der Schill-Partei, Hamburgs Bausenator Mario Mettbach. Die Schill-Partei will Beust ihre Personalvorschläge für die Besetzung des Behördenleiters und des ebenfalls entlassenen Innenstaatssekretärs vorlegen. Es wird erwartet, dass Beust den neuen Innensenator in der Sitzung der Bürgerschaft am 3. September ernennt und er dann auch vom Landesparlament bestätigt wird.

Beust hatte Schill am Dienstag entlassen, weil der ihm zuvor gedroht haben soll, Beusts angebliche Homosexualität publik zu machen. Schill will nun sein ruhendes Abgeordnetenmandat aufnehmen und als einfacher Abgeordneter in der Bürgerschaft arbeiten. Die Opposition wirft der Koalition aus CDU, FDP und Schill-Partei wegen der Mehrheitsverhältnisse im Hamburger Landesparlament vor, auch weiterhin von Schill abhängig zu sein. Sie fordert daher Neuwahlen. Über einen entsprechenden Antrag soll die Bürgerschaft ebenfalls am 3. September entscheiden.

Opposition kritisiert "Behelfslösung" Nockemann

Die SPD kritisierte, Nockemann sei nur eine "Behelfslösung", weil die Schill-Partei über keinen anderen Kandidaten verfüge. SPD-Landesgeschäftsführer Ties Rabe erklärte, mit Nockemann solle die brüchige Hamburger Regierungskoalition behelfsweise zusammengezimmert werden. (APA/Reuters/AP)

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