Neuordnung der Forschungsförderungs-
landschaft für Herbst geplant

14. Oktober 2003, 20:03
6 Postings

Vorschlag soll "in den nächsten Wochen" vorliegen

Alpbach - Die schon länger geplante Neuordnung der österreichischen Forschungsförderungslandschaft soll noch im Herbst - und damit vor Abschluss der derzeit laufenden Evaluierung der beiden Forschungsförderungsfonds - konkret werden. Infrastrukturminister Hubert Gorbach (F) und Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) kündigten am Donnerstag bei einer Pressekonferenz zum Auftakt der Alpbacher Technologiegespräche an, "in den nächsten Wochen" einen gemeinsamen Vorschlag zur "Neuordnung der riesig zersplitterten Förderlandschaft" (Gehrer) vorlegen zu wollen.

"Wir sind gut vorangekommen und so weit wie noch nie", begründete Gorbach, dass die Ergebnisse der von seinem Ressort in Auftrag gegebenen internationalen Evaluierung des Forschungsförderungsfonds für die gewerbliche Wirtschaft (FFF) und des Fonds zur Förderung der wissenschaftliche Forschung (FWF) nicht abgewartet würden. Der Minister zog sich damit den Groll von FWF-Präsident Georg Wick zu, der sich bei der Pressekonferenz klar dagegen aussprach, die Neuorganisation nur auf Basis der derzeit in der Rohfassung vorliegenden Rechnungshof-Berichte über die beiden Fonds durchzuführen. In keinem Land Europas seien bisher Grundlagenforschung und angewandte Forschung in einem Fonds zusammengefasst worden. Gorbach will die Reform dennoch bereits jetzt durchziehen, die Evaluierungsergebnisse könnten dann aber noch "Feinjustierungen" mit sich bringen.

Keine Details

Details über die geplanten Veränderungen wollten die beiden Minister noch nicht nennen. Allen Betroffenen sicherte Gorbach aber zu, dass es keinen Anlass gebe, auf Grund der Reform "verunsichert zu sein". Es werde eine organisatorische Erneuerung und dabei "Verschiebungen und Straffungen" geben, "es sollen aber keine inhaltlichen Kompetenzen beschnitten werden oder Zusammenlegungen erfolgen", so Gorbach, ohne allerdings auf Nachfrage zu erklären, auf welche Institutionen bzw. Ebenen sich diese Aussage beziehe.

Gehrer formulierte ihre "Eckpunkte", die aus ihrer Sicht bei der Reform erfüllt werden müssten. U.a. sollen durch die Neuorganisation Synergieeffekte genutzt und dadurch mehr Geld für die Forschung zur Verfügung stehen, das "One-Stop-Shop-Prinzip" für Förderungsinteressenten verwirklicht werden und die Unabhängigkeit der Grundlagenforschung gesichert werden. "Wir müssen aufpassen, dass die Grundlagenforschung nicht gegängelt wird, sie muss zweckfrei bleiben", sagte Gehrer. Es sei aber nicht verboten zu fragen, ob man die Erkenntnisse für etwas verwenden könne.

Naturgemäß: Erfolgreiche Bilanz gezogen

Beide Minister zogen eine erfolgreiche Bilanz über die bisherigen Maßnahmen im Forschungs-Bereich. Mit 4,2 Mrd. Euro, davon 1,4 Mrd. Euro vom Bund, sei 2002 das bisher beste Jahr für Forschung und Entwicklung in Österreich gewesen, sagte Gorbach. Im laufenden Jahr würden die Aufwändungen auf diesem Niveau bleiben. "Wir werden in Forschung und Bildung nichts streichen und nicht den Weg Deutschlands gehen, wo etwa mehrer Max-Planck-Einrichtungen geschlossen werden", betonte Gehrer. Ab 2004 stünden dann wieder Forschungssondermittel in Höhe von 600 Mio. Euro zur Verfügung. Außerdem bemühe man sich, eine Nationalstiftung für Forschung zu gründen und sei dafür im Gespräch mit der Nationalbank. Woher das Kapital für diese Stiftung kommen soll, sei noch nicht klar, sagte Gorbach, dazu seien auch noch "Abstimmungen mit der Europäischen Zentralbank notwendig".

Trotz dieser verstärkten Anstrengungen im Forschungsbereich dürfe "nicht alles gemacht werden, was technisch möglich ist", erklärte Gehrer. Man müsse sicherstellen, dass "bei allen Forschungen der Mensch und das Humane im Mittelpunkt steht", der Fortschritt in der Forschung sei nicht um jeden Preis argumentierbar. (APA)

Share if you care.