Deutschland: Drohung mit Zyankali-Anschlag in Niedersachsen: Lieferant im Visier

25. August 2003, 18:21
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Hauptverdächtiger soll auf Geisteszustand untersucht werden

Nach der angedrohten Vergiftung des Trinkwassers in der niedersächsischen Stadt Einbeck nimmt die Staatsanwaltschaft jetzt auch den Lieferanten des Zyankali ins Visier. "Wir prüfen, ob das Unternehmen beim Verkauf der Chemikalie an den 32-Jährigen gegen Rechtsvorschriften verstoßen hat", sagte der Sprecher der Göttinger Strafverfolgungsbehörde, Hans Hugo Heimgärtner, am Donnerstag.

Der 32-Jährige hatte im April einen Drohbrief an die Stadtwerke Einbeck geschickt und die Vergiftung des Trinkwassers mit Zyankali angedroht. Im Keller seines Wohnhauses fanden die Beamten dann mehr als 50 Kilogramm der hochgiftigen Chemikalie. Den Anschlag hatte der Mann für den 11. September angekündigt. Gegen ihn wurde Haftbefehl erlassen. Er soll auf seinen Geisteszustand hin untersucht werden.

250 Milligramm können tödlich sein

Zyankali sei in konzentrierter Form sehr gefährlich, sagte der Toxikologe Andreas Behrens vom Giftinformationszentrum Nord an der Universität Göttingen. Die Chemikalie blockiere die Atmung. 100 bis 250 Milligramm könnten für einen Menschen - je nach Konstitution - tödlich sein.

Damit die in Einbeck sichergestellte Menge im Trinkwasser zur tödlichen Gefahr werden könnte, müssten aber unglückliche Umstände zusammenkommen, hieß es. Bei einer Verteilung zum Beispiel in einem Trinkwasserstausee oder in einem größeren Wassernetz wäre die Verdünnung vermutlich zu groß, als dass eine akute Vergiftungsgefahr drohe. In kleineren Wassermengen von wenigen tausend Kubikmetern könne die Konzentration allerdings hoch genug sein, um Schaden anzurichten.

Verwunderung

Bei der Polizei herrschte am Donnerstag weiter Verwunderung darüber, wie relativ problemlos der Tatverdächtige an das Zyankali gelangt war. Der Mann hatte als kaufmännischer Angestellter bei einer Pelzveredelungsfirma gearbeitet. Das Unternehmen produziert in Polen und hat im niedersächsischen Kreis Northeim ein Büro. Dorthin hatte der 32-Jährige die Chemikalie bestellt und dann zu sich nach Hause gebracht. Es sei völlig unklar, ob diese Lieferung legal war, hieß es bei der Polizei.

Die Chemikalie wird auch bei der Pelzveredelung eingesetzt. Diese Spur hatte die Fahnder zur Firma im Kreis Northeim und zum 32- Jährigen geführt.

Die Feuerwehr hat das in einem kleinen Fass gelagerte Gift in einen sicheren Behälter umgefüllt. Inzwischen sei eine Spezialfirma damit beauftragt, das Zyankali zu entsorgen, sagte ein Polizeisprecher. Die Lieferfirma habe das Gift nicht zurücknehmen wollen.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 32-Jährige keine politischen, sondern persönliche Motive für die Anschlagsdrohung hatte. Der als hochintelligent beschriebene Mann habe offenbar Probleme, hieß es. Weil er bei seinen Vernehmungen verworrene Angaben gemacht hat, soll er jetzt psychiatrisch begutachtet werden. (APA/dpa)

Nachlese

Deutscher hortete 50 Kilo Zyankali - Niedersachsen: Mann wollte Trinkwasser in seiner Heimatstadt Einbeck vergiften [Chronik]
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