Erich Fried Preis 2003 an Robert Menasse

29. August 2003, 10:56
posten

"Mit Humor und Sarkasmus fühlt Menasse dem gehetzten Gesellschaftskörper den Puls" - Verleihung am 16.11. im Literaturhaus

Wien - Der Erich Fried Preis 2003 der Internationalen Erich Fried Gesellschaft für Literatur und Sprache geht an den österreichischen Schriftsteller Robert Menasse (49), teilt die Österreichische Exilbibliothek in einer Aussendung mit. Die Verleihung der mit 14.500 Euro dotierten, vom Bundeskanzleramt gestifteten Auszeichnung findet am 16. November zum Abschluss des achten Erich Fried Symposiums (13.-16. 11.) im Literaturhaus Wien statt.

"Humor und Sarkasmus"

Zum alleinigen Juror 2003 hatte die Erich Fried Gesellschaft Robert Schindel nominiert. "Das Werk von Robert Menasse ist von einer genauen poetischen Sprache durchdrungen und liest in ihr die spezifischen Gewichte gegenwärtiger Gesellschaftsverhältnisse ab. Mit Humor und Sarkasmus fühlt Menasse dem gehetzten Gesellschaftskörper den Puls und schreibt seine Befunde auf hohem literarischen Niveau. Wortmächtig, ironisch und treffsicher. Hierin berührt sich seine Arbeit mit dem Werk Erich Frieds", begründete Schindel seine Wahl.

"Erklär mir Österreich"

Menasse hat sich mit seiner "Trilogie der Entgeisterung", den Romanen "Selige Zeiten, brüchige Welt", "Sinnliche Gewißheit", "Schubumkehr"- und dem dazu gehörigen Essay "Phänomenologie der Entgeisterung" - auf ein groß angelegtes, philosophisch durchwirktes literarisches Wagnis eingelassen, das den Leser mit einem kunstvollen Reigen aus Spiegelungen, Überblendungen und reflexiven Einschüben in Spannung hält, heißt es in der Aussendung der Österreichischen Exilbibliothek.

Mit den Essaybänden "Das Land ohne Eigenschaften", "Dummheit ist machbar" oder "Erklär mir Österreich" weise sich Menasse nicht nur als unverbrauchter Denker, als scharfsichtiger Beobachter und guter Zuhörer aus, sondern auch als glänzender Stilist. Zuletzt veröffentlichte der Autor den Roman "Die Vertreibung aus der Hölle", der die Geschichte des im 17. Jahrhundert verfolgten Rabbi Menasseh mit der Geschichte des im Schatten des Zweiten Weltkriegs lebenden Viktor Abravanel, Menasses Bruder im Geiste, verwebt.

Symposion zu "Geteilte Erinnerung / Generationen des Exils"

Der von der Republik Österreich gestiftete Erich Fried Preis wird im Gedenken an den Lyriker, Erzähler und Übersetzer Erich Fried (1921-1988) seit 1989 jährlich von der Internationalen Erich Fried Gesellschaft für Sprache und Literatur vergeben. Die Wahl des Preisträgers erfolgt durch einen Juror, den ein Kuratorium jedes Jahr neu bestimmt. Bisher erhielten die Auszeichnung unter anderem Christoph Hein, Bodo Hell, Robert Schindel, Paul Nizon, Gert Jonke, Bert Papenfuß, Elfriede Gerstl und im Vorjahr Oskar Pastior.

Das gemeinsam mit der Österreichischen Exilbibliothek veranstaltete Symposium "Geteilte Erinnerung / Shared Memory. Generationen des Exils" versteht sich als Beitrag zu neueren Fragestellungen der Kulturwissenschaft, Zeitgeschichte und einer kritischen Öffentlichkeit zu den Themen Kind und Kindheit/Jugend im Exil, zweite und dritte Generation, Migration und die Exile im 20. und 21. Jahrhundert. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Robert Menasse

Share if you care.