Zikade Metcalfa pruinosa entwickelt sich in Wien zur Plage

29. August 2003, 16:41
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Massenauftreten des neuen Schädlings - Auswirkungen auf Gehölze befürchtet

Den heimischen Bäumen könnte in Zukunft ein Schädling mehr zusetzen. Die erst vor wenigen Jahren aus Amerika eingeschleppte Zikade Metcalfa pruinosa hat sich nach Meldungen der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) im Juli in einem Waldabschnitt in Wien-Floridsdorf massenhaft vermehrt. Die Zikade schädigt vor allem Zier- und Obstgehölze sowie Weinstöcke.

1979 erstmals in Europa entdeckt

Die Zikade wurde 1979 erstmals in Europa entdeckt, und zwar in Norditalien. In der Folge breitete sich das Insekt in ganz Südeuropa aus, Frankreich, Slowenien, Kroatien, Spanien und zuletzt auch Tschechien und die Schweiz wurden befallen. Wie die Zikade nun ausgerechnet nach Wien kam, ist vorläufig rätselhaft, da die Bundeshauptstadt von den bisherigen Verbreitungsgrenzen weit entfernt liegt.

Zikade hat es auf Pflanzensäfte abgesehen

Die Experten gehen davon aus, dass sich der Schädling normalerweise um fünf bis 15 Kilometer pro Jahr verbreitet. Es sei anzunehmen, dass sich auch die Klimaänderung bereits bemerkbar macht und die Zikade deshalb auch nach Norden vordringt.

Die bis acht Millimeter lange Metcalfa pruinosa hat es auf süße Pflanzensäfte abgesehen. Dazu sticht die Zikade mit Hilfe ihres Saugrüssels die Gefäße von Blättern und zarten Zweigen an. Überschüssiger Zucker wird in Form von Honigtau wieder abgegeben. Ein Problem ist, dass sich dieser Honigtau in Rußtau verwandelt, die Blätter schwarz färbt und die Pflanze so in ihrer Photosynthese behindert. Auch Früchte werden durch den Rußtau ungenießbar. Ein besonderes Problem haben Baumschulen: Befallene Bäume sind praktisch unverkäuflich.

Zwei Gegenmaßnahmen<>

Die Tiere überwintern als winzige Eier, meist in Ritzen der Rinde. Im Frühling schlüpfen die Larven, die auch schon Pflanzensäfte saugen und sich von den erwachsenen Tieren durch die Größe und die Flügellosigkeit unterscheiden. Außerdem sind die Jugendstadien dicht mit heller so genannter Wachswolle bedeckt. Im Juli gibt es dann auch die ersten ausgewachsenen Zikaden mit den typisch dachförmig übereinander gelegten Flügeln.

Als Gegenmittel kommen laut AGES derzeit zwei Maßnahmen in Frage: Erstens der Rückschnitt von jüngeren und dünnen Zweigen während der kalten Jahreszeit - so wird ein guter Teil der überwinternden Eier vernichtet - , zweitens der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

Von den AGES-Experten derzeit geprüft wird ein biologisches Bekämpfungsmittel. So könnte der ebenfalls aus Amerika stammende Hautflügler Neodryinuns typhlocybe ausgesetzt werden: Er parasitiert in Zikaden und schädigt sie dadurch. Etwa in Italien und Frankreich habe man bereits gute Erfahrungen mit dem Parasiten gemacht, hieß es. Sollten die Zulassungsbewilligungen positiv verlaufen, könnte der Parasit bereits im nächsten Jahr eingesetzt werden. (APA)

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AGES
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    Zikade Metcalfa pruinosa

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