Gerichtstermin für Stefan Weber

24. August 2003, 23:17
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Drahdiwaberl-Chef war als Besucher von "Schurkenstaaten zu Gast im Rabenhof" bewaffnet - mit Platzpatronen

Wien - Stefan Weber, Chef der legendären Wiener Kult-Band Drahdiwaberl, muss vor Gericht. Sein Vergehen: Bei einer Theateraufführung im Wiener Rabenhof, wo er in der Reihe "Schurkenstaaten zu Gast im Rabenhof" den Karl May gab, führte er zwei Schusswaffen mit sich, die mit Platzpatronen geladen waren. Am 27. Jänner 2003 kam es deswegen zu einem Polizeieinsatz, die Schießeisen wurden in der Theatergarderobe konfisziert. Nun muss sich Weber am 11. September im Bezirksgericht Innere Stadt verantworten, weil er gegen § 50 Waffengesetz verstoßen haben soll.

Rein formal nicht berechtigt

"Eine Ungeheuerlichkeit sondergleichen", meinte sein Anwalt Klaus-Peter Schrammel am Donnerstag. Der Drahdiwaberl-Gründer bringe die Colts seit Jahrzehnten bei seinen Bühnen-Shows zum Einsatz. "Weil es gut ausschaut. Sie sind ja nie scharf geladen. Ab uns zu ballert er dann halt damit in die Luft. Es ist eine Lächerlichkeit, dass er deswegen jetzt kriminalisiert werden soll", so der Verteidiger.

Die Anklagebehörde legt Stefan Weber zur Last, zwar eine Waffenbesitzkarte erworben zu haben. Das berechtige ihn aber noch lange nicht, die Pistolen außer Haus zu tragen. "Rein formal stellt man sich auf den Standpunkt, er wäre zum Führen der Waffen nicht berechtigt", erläutert sein Rechtsbeistand. Schrammel verweist jedoch auf § 46 Waffengesetz, wonach unbrauchbar gemachte Waffen zu szenischen Zwecken grundsätzlich verwendet werden dürfen: "Und Weber hat sie ja schussuntauglich gemacht, indem er die scharfe Munition durch Plastik ersetzt hat."

Freiheit der Kunst

Der Anwalt gedenkt auch, die verfassungsrechtlich verankerte Freiheit der Kunst zur Sprache zu bringen. Und er wundert sich, weshalb die Staatsanwaltschaft auf einer Bestrafung seines Mandanten besteht und die von ihm vorgeschlagene Diversion abgelehnt hat, die allen Beteiligten gegen Bezahlung einer symbolischen Buße einen Prozess erspart hätte.

Der Beschuldigte selbst war für eine Stellungnahme nicht erreichbar: Stefan Weber befindet sich noch bis Anfang September im Urlaub. Seinem Rechtsvertreter zufolge überlegt er sich bereits, wie er seinen Gerichtsauftritt möglichst nachdrücklich künstlerisch gestalten kann. "Möglich, dass er gefesselt und im Büßerhemd erscheint. Aber lassen wir uns am Besten überraschen", sagte Klaus-Peter Schrammel. (APA)

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    Stefan Weber, hier in Uniform und im Gespräche mit Christoph Schlingensief am Wiener "Ball des schlechten Geschmacks" 1998

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