Expertise zur "Adonis von Zschernitz"-Plastik

25. August 2003, 19:31
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Sensationsfund in Sachsen ist wegen "deutlichem Gemächte" eine 7000 Jahre alte Fruchtbarkeits-Figur

Dresden - Der am Dienstag bei Ausgrabungen in Sachsen entdeckte rund 7000 Jahre alte "Adonis von Zschernitz" diente vermutlich ebenso wie bereits bekannte Venus-Figuren der Zeit als Fruchtbarkeitssymbol. "Das Gemächte ist sehr deutlich und viel zu groß im Verhältnis zum Becken dargestellt", sagte Landesarchäologin Judith Oexle am Donnerstag bei der Präsentation des Sensationsfundes in Dresden. Der im Landkreis Delitzsch gefundene Torso wurde auf 5000 bis 4900 vor Christus datiert und ist damit die älteste männliche Tonfigur Mitteleuropas.

Qualität in der Wiedergabe

Das acht Zentimeter hohe vollplastische Fragment einer einst vermutlich gut 25 Zentimeter großen Figur ist vom Nabel bis über die Ansätze der Oberschenkel erhalten. Die Brüche sind alt, ebenso wie die abgeplatzte, jedoch erhaltene linke Gesäßhälfte, hieß es. "Die nackte Figur zeichnet sich durch eine außerordentliche anatomische Qualität in der Wiedergabe aus", sagte Oexle. Das Gesäß sei mit in den Ton geritzten Gravuren versehen, die Tätowierungen oder Bemalung repräsentierten.

Das und die eindeutig ausgebildeten Geschlechtsmerkmale wiesen deutlich darauf hin, dass das dunkelbraune Fragment Symbol für Fruchtbarkeit und Fortpflanzung war. "Bislang kennt man aus dieser Zeit nur weibliche Figuren." Diese hätten jedoch einen schematisch geformten Körper. Der Fund stelle daher mit seiner in jener Zeit unüblichen anatomischen Präzision und Detailtreue alles bisher Bekannte in den Schatten. (APA/dpa)

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