Fast entschlüsselt

25. August 2003, 19:09
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US-Forscher: Das genetische Erbgut der Schimpansen ist nahezu entziffert - Vorlage in einer Arbeitsversion

Hamburg - US-Forscher haben nach eigenen Angaben das Erbgut unseres nächsten Verwandten, des Schimpansen, nahezu komplett entziffert. "Wir haben eine fast vollständige Version des Schimpansen-Erbguts vorliegen", sagte der Direktor der amerikanischen Whitehead Institutes in Cambridge (US-Bundesstaat Massachusetts), Eric Lander, dem Hamburger Magazin "GEO" (Septemberausgabe). Der Wissenschafter kündigte an, die Daten im Spätsommer im Internet zu veröffentlichen.

Sein Team hat nach Angaben von "GEO" mit einem Budget von rund 100 Millionen Dollar (90 Millionen Euro) kaum mehr als ein halbes Jahr für seine Arbeit benötigt. Dies sei nur durch den Einsatz der so genannten Schrotschuss-Technik möglich gewesen, die der Gen-Pionier Craig Venter entwickelt hatte. Dabei wird das Erbmaterial zunächst in Abermillionen Bausteine zertrümmert, entziffert und die Sequenz erst später wieder zusammengesetzt.

Arbeitsversion

Bei der US-Fassung des Affenerbguts handle es sich um eine Arbeitsversion, wie sie vor zwei Jahren vom Erbgut des Menschen vorgelegt worden sei, sagte Helmut Blöcker von der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung in Braunschweig. Diese enthalte noch einige Lücken und Fehler. Blöcker hatte mit Kollegen aus Deutschland und ostasiatischen Ländern das Schimpansen- Chromosom 22 komplett in "Abschlussqualität" entziffert und Anfang Juli darüber berichtet. Das Schimpansen-Chromosom 22 wird als Equivalent zum menschlichen Chromosom 21 gesehen.

"Wir wollten ein Chromosom ganz fertig stellen und es vergleichen mit dem entsprechenden menschlichen Chromosom, dass wir bereits im Jahr 2000 fertig gestellt hatten", erläuterte Blöcker. Für die kommenden Monate sei eine Veröffentlichung über das Schimpansen- Chromosom 22 geplant. "Sie wird sogar eine erste vergleichende Funktionsanalyse der Gene zwischen Menschen und Schimpansen enthalten."

Bekämpfung von Krankheiten

Ein Vergleich des Erbguts zwischen Mensch und Schimpansen soll künftig auch bei der Bekämpfung von Krankheiten helfen. So sterben Schimpansen laut "GEO" nur höchst selten an Krebs; sie bekommen weder Malaria noch entwickeln sie die für Alzheimer typischen Hirnveränderungen. (APA/dpa)

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