Die widerspenstige Zähmung?

22. August 2003, 15:55
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Schweiz sperrt Asylbewerber zur Disziplinierung bei Wasser, Brot und Äpfeln in ein Glashaus

Kreuzlingen - Asylbewerber, die ihre Aufgaben nicht erledigen wollen, werden in der Empfangsstelle in Kreuzlingen in ein "Glashaus" gesperrt. Sie erhalten dort nur Wasser, Brot und Äpfel. Brigitte Hauser, Sprecherin des Bundesamts für Flüchtlinge (BFF) bestätigte eine entsprechende Meldung des "Tages-Anzeiger" vom heutigen Donnerstag.

Disziplinarmaßnahmen zum Schutz von Mitarbeitern

Hauser sagte, gewisse Disziplinarmaßnahmen seien zum Schutz von Mitarbeitern und den anderen Asylsuchenden notwendig. Wenn etwas passiere, sei der Leiter verantwortlich. Beim "Glashaus" handelt es sich um rundum verglaste Räume im Eingangsbereich der Empfangsstelle, die sonst als Warteräume genutzt werden. Sie sind nur mit Sitzgelegenheiten eingerichtet. Für einen Außenstehenden sei nicht erkennbar, ob dort jemand warte oder im Arrest sitze, sagte Brigitte Hauser.

Wer sich vor dem Abendessen gefügig zeige, dürfe am Abendessen teilnehmen, ansonsten gebe es auch dann nur Brot und Äpfel. Zum Schlafen dürfen die Asylbewerber in ihre Zimmer. In den anderen Empfangsstellen wird als Strafe der Zutritt zum Unterbringungstrakt verboten und der Ausgang gestrichen.

Im längsten Fall fünf Tage eingesperrt

Die BFF-Sprecherin hält den Vorwurf, dass Asylsuchende tagelang festgehalten wurden, für übertrieben. Der längste Fall, der ihr bekannt sei, seien fünf Tage gewesen. Der Raum sei nicht abgeschlossen und die Asylsuchenden könnten auf den Gang gehen, telefonieren oder rauchen. Jürg Schertenleib, Sprecher der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) sagte, es komme auf die Art und Weise von Sanktionen an. Das "Ausstellen" sei eine erniedrigende Behandlung. Er wisse von einem Fall, bei dem der Arrest zehn Tage gedauert habe.

Bereits vor einigen Monaten hatte die SFH das BFF über die "Glashaus-Methoden" informiert. Bisher habe es jedoch noch keine Reaktion des Bundes gegeben. Die Flüchtlingshilfe fordert eine unabhängige, externe Untersuchung der Vorgänge. Man solle nicht jeden einzelnen Mitarbeiter dafür bestrafen. (APA/sda)

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