Empfehlungen für die Verwendung

25. August 2003, 11:45
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Gesellschaft für Senologie: Patientinnen sind über Vor- und Nachteile der Hormontherapie genauestens aufzuklären

Wien/Salzburg - Am Donnerstag schloss sich die Österreichische Gesellschaft für Senologie (Brusterkrankungen) mit eigenen Empfehlungen über die Verwendung der Hormonsubstitution de facto der Warnung der Österreichischen Krebshilfe von Beginn der Woche an. Die Krebshilfe unter ihrem Präsidenten Univ.-Prof. Dr. Paul Selvelda, hatte mit Hinweis auf eine in der britischen Fachzeitschrift "The Lancet" (9. August) erschienene wissenschaftliche Studie vor einem erhöhten Brustkrebsrisiko gewarnt.

Die Fachleute in der Empfehlung: "Große Internationale Studien haben ergeben, dass die Einnahme von weiblichen Hormonen zu einer Erhöhung des Brustkrebsrisikos führt. Diese Risikoerhöhung ist stärker bei der kombinierten Hormonersatztherapie mit Östrogenen und Gestagenen als bei der alleinigen Anwendung von Östrogenen." Laut dem künftigen Präsidenten der Gesellschaft, dem Salzburger Experten Dr. Christian Menzel und Präsidiumsmitglied Univ.-Prof. Dr. Ernst Kubista (Wien) sollte ein Hormonersatz nur unter folgenden Kautelen verwendet werden:

  • Die Hormonersatztherapie darf ausschließlich zur Behandlung von Frauen mit starken und mittelstarken Wechselbeschwerden zum Einsatz kommen.

  • Die Hormonersatztherapie ist die wirksamste Therapie zur Bekämpfung von Wechselbeschwerden. Hormone sind äußerst wirksame Substanzen, welche so wie alle anderen Medikamente eine genaue Indikation, eine überprüfbare Dosierung und eine strikte Beachtung der Nebenwirkungen erfordern.

  • Eine länger dauernde Hormonersatztherapie mit kombinierten Östrogen/Gestagenen mehr als drei Jahre ist nach dem derzeitigen Stand des Wissens nicht zu befürworten.

  • Generell sollte die Hormonersatztherapie mit der möglichst niedrigen Dosierung und über den kürzest möglichen Zeitraum durchgeführt werden.

  • Die Hormonersatztherapie bringt keine Verbesserung des kardio-vaskulären Risikos (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Anm.). Zur Verbesserung der kardio-vaskulären Risikosituation sollte das Rauchen reduziert, der Fettkonsum reduziert und die körperliche Aktivität gefördert werden. Auf der medikamentösen Seite könnten Statine (Cholesterinsenker, Anm.) vermehrt zum Einsatz kommen.

  • Zur Behandlung der Osteoporose ist die Langzeithormontherapie nicht geeignet, hier müssen andere Substanzen zum Einsatz kommen.

  • Die Patientinnen sind über Vor- und Nachteile der Hormontherapie genauestens aufzuklären und zu informieren.

  • Während der Therapie muss eine regelmäßige gynäkologische Kontrolle erfolgen, sowie eine regelmäßige Mammographie (einmal pro Jahr) durchgeführt werden.

  • Die Langzeitverwendung von Hormonen mit der Zielsetzung des Anti-Aging und der hormonellen Kosmetik oder gar zur Brustvergrößerung ist aus onkologischer Sicht nicht indiziert.

  • Frauen die länger als drei Jahre eine Hormonersatztherapie einnehmen, sollten sich mit ihrem Gynäkologen in Verbindung setzen, um zu überprüfen, ob die Weiterführung der Hormontherapie gerechtfertigt ist.

    Onkologe empfiehlt wiederholte Untersuchungen

    In einem Hintergrundgespräch äußerte sich der Wiener Onkologe Univ.-Prof. Dr. Heinz Ludwig (Wilhelminenspital) differenziert über die neuen Erkenntnisse: "Nicht alle Hormon-Substanzen, die in den Studien untersucht wurden, sind derzeit noch in Verwendung." Eigentlich müsste man solche Untersuchungen auch mit neueren Substanzen wiederholen.

    Der Experte bemängelte auch, dass man die Lebensqualität der Patientinnen teilweise nicht ins Kalkül gezogen bzw. sich bei den Studien keine positiven Ergebnisse gezeigt hätten: "Man sieht aber in der täglichen Praxis, dass es den Frauen, die unter Beschwerden durch den Hormonentzug in der Menopause leiden, bei einer Behandlung wirklich besser geht." Möglicherweise hätte man in den Studien die falschen Bewertungskriterien verwendet. (APA)

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      foto: photodisc
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