Heimische Wirtschaft nur knapp über Null-Linie

27. August 2003, 11:14
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BA-CA: Keine Verbesserung im zweiten Quartal - "Schwächste Phase der heimischen Wirtschaft seit 30 Jahren"

Wien - Österreichs Wirtschaftswachstum dümpelt knapp über der Null-Linie. Im zweiten Quartal 2003 dürfte Österreichs Wirtschaft nur schwach gewachsen sein, blieb jedoch knapp im schwarzen Bereich, lautet der Befund der Konjunkturexperten der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA). Die heimische Wirtschaft habe über die vergangenen drei Jahre hinweg betrachtet die schwächste Phase seit 30 Jahren erlebt, erklärte die BA-CA in ihrem am Donnerstag veröffentlichten jüngsten Konjunkturindikator.

Der von der Bank monatlich erhobene Indikator zeigte im August erneut eine Verschlechterung, er reduzierte sich von 1,8 auf 1,7. Damit liegt der Wert tiefer als am Höhepunkt der Rezession 2001 und etwa so tief wie beim scharfen Einbruch der Konjunktur im 1. Quartal 1997, als das BIP Österreichs um fast 1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal geschrumpft ist.

"Stagnation"

"Auch im 2. Quartal 2003 dürfte Österreichs Wirtschaft nur schwach gewachsen sein, bleib jedoch knapp im schwarzen Bereich", meint Stefan Bruckbauer von der BA-CA. Sowohl gegenüber dem Vorquartal auch auch dem Vorjahr rechnet er mit keinem Minus. Industrie und Handel dürften nach Meinung der BA-CA-Ökonomen im 2. Quartal verglichen mit dem 1. stagniert haben. Nur Bau und Tourismus zeigten Zuwächse. Gegenüber dem Vorjahr dürfte jedoch auch der Handel ein Plus realisiert haben, einzig die Industrie nicht.

Die aktuellen Zahlen würden damit die BA-CA-Erwartung eines sehr schwachen ersten Halbjahrs bestätigen, sagt Bruckbauer und fügt hinzu: "Über einen etwas längeren Zeitraum betrachtet dürfte Österreich derzeit die schwächste wirtschaftliche Entwicklung seit 30 Jahren erlebt haben." Das reale BIP sei in den vergangenen drei Jahren lediglich 2,5 Prozent gewachsen. Ein so schwaches Wachstum über drei Jahre hinweg erlebte Österreich zuletzt Anfang der 80er Jahre.

US-Konjunktur mit relativ starken Lebenszeichen

Trotz dieser negativen Ergebnisse in der Vergangenheit könnte sich die Situation für die weitere Entwicklung aber demnächst ändern. So zeige die US-Konjunktur relativ starke Lebenszeichen, was auch in Europa zu ersten positiven Erwartungen geführt habe. Verbunden mit der niedrigen Inflation und zu erwartenden Impulsen von wirtschaftspolitischen Maßnahmen in Deutschland könnte sich die Konjunktur im Verlauf der nächsten Monate verbessern.

Vor allem für 2004 erwarten die BA-CA-Ökonomen eine deutliche Beschleunigung für Österreichs Wirtschaft und rechnen mit 2,1 Prozent Wachstum 2004 nach 0,8 Prozent in diesem Jahr. Diese Wachstumsbeschleunigung, vor allem in den USA bis zum Sommer 2004, sei zwar relativ gut abgesichert, könnte aber danach abflachen, wenn die fiskalischen Maßnahmen in ihrer Wirkung nachlassen. Dann benötige die Weltwirtschaft wieder deutlich mehr Vertrauen in die Zukunft, damit der Aufschwung selbsttragend werde.

"Erste Anzeichen eines selbsttragenden Aufschwungs der Weltwirtschaft sind da, sie sind jedoch weiterhin sehr schwach und anfällig für etwaige Störungen", so Bruckbauer. Auch wenn demnächst die Konjunktur zulegen dürfte, sei dies noch kein Garant für einen lang anhaltenden Aufschwung.(APA)

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