Die Tage der Tage sind gezählt

21. August 2003, 11:51
239 Postings

Menstruation wird als Problem definiert, dem durch Hormonbehandlung beizukommen ist - Ein Kommentar

"Ab dem Zeitpunkt der ersten Monatsblutung stehen Frauen in ihrem Leben durchschnittlich mehr als 2000 "Tage" ins Haus, das entspricht ca. sechs vollen Jahren Regelblutung am Stück. Während dieser Zeit leiden die meisten Frauen unter Regelbeschwerden wie Unterbauchkrämpfen, Brustspannen, Pickeln, "aufgeschwemmt" sein bis hin zu psychischen Beschwerden. Viele nehmen diese Symptome als normal hin, nur ca. 1/4 der Betroffenen sucht deshalb einen Arzt auf. Dabei gibt es eine einfache Lösung des Problems. Die innovative Pille Yasmin präsentiert jetzt mit der umfangreichen "Yasmin Langzyklus Studie Deutschland" den Beweis: Periode muss nicht sein", wirbt das Pharmaunternehmen Schering für die im Feber vorgestellte Anti-Baby-Pille "Yasmin".

Die ist ein wirklicher Troubleshooter. Vor einem knappen halben Jahr wurde sie quasi als Diät-Pille eingeführt: Gewichtszunahme durch die Einnahme dieses Produkts - ausgeschlossen, dank der Zugabe des Hormons Drospirenon. Sonstige, oben schon beschriebene Regelbeschwerden - Schnee von gestern. Und nun der Nebeneffekt bei Langzeiteinnahme: Das Ende der Regel! "Nach sechs Monaten fühlten sich 85% der Teilnehmerinnen (Schering-Studie mit 1500 Probandinnen, Anm.), die den Langzyklus praktiziert haben, wohler als zu Beginn der Studie!" (Zitat Presseaussendung Schering) Wenn das mal nicht überzeugt. Eine Pille, die den Anwenderinnen über die Fertilitäts- hinausgehende Kontrolle verspricht. Und nebenbei satten Umsatz für die Firma.

Dass Schering nämlich gerade jetzt wieder mit "Yasmin" anrückt, könnte auch mit dem Kurseinbruch Ende Juli zu tun haben, der dazu führte, dass der exportorientierte Konzern 300 MitarbeiterInnen entließ. Eine Umsatzabnahme auf 1,179 Mrd. Euro tut so einem Unternehmen empfindlich weh. Aber es gibt ja einen Lichtblick: Yasmin verkauft sich schon jetzt sehr gut. Und für Ende 2003 hat man sich das Ziel gesetzt, einen Marktanteil von zehn Prozent in den USA zu erreichen. Dank "Yasmin", der Guten.

Für den Profit werden sowohl die Menstruation als auch ihr Ausbleiben als Problem definiert. Und die Pharmaindustrie steht in beiden Fällen mit Women's little helpers parat. Wie praktisch. Hormonbehandlungen sollen in beiden Fällen "helfen", einem gemachten Problem beizukommen. Wozu diese Hilfe im Fall der Substitution geführt haben, zeigt sich jetzt anhand erschreckender Zahlen wie dem bis zu 66 Prozent höheren Brustkrebsrisiko. Eine Pille ohne Nebenwirkungen gibt es eben nicht. (red)

  • Bild nicht mehr verfügbar
    K(l)eine Helferleins
Share if you care.