Liberia: Einigung auf Kompromisskandidaten

22. August 2003, 15:55
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Konfliktparteien einig: Geschäftsmann Bryant soll Übergangsregierung führen - Er gilt als neutralster Kandidat

Accra - Die Konfliktparteien in Liberia haben sich auf einen Führer der Übergangsregierung geeinigt und damit nach elf Wochen die Friedensgespräche für das westafrikanische Land beendet. Chefvermittler Abdulsalami Abubakar gab am heutigen Donnerstag in Ghana die Nominierung des Geschäftsmanns Gyude Bryant für das Amt bekannt. Regierung und Rebellen hatten sich in der Nacht auf den 54 Jahre alten Kandidaten aus Monrovia verständigt. Sein oberstes Ziel sei die Versöhnung des Landes, sagte der künftige Regierungschef, der als politische Leichtgewicht gilt.

Bryant: Höchste Priorität "den Schmerz, die Verletzungen und die Wunden der Jahre zu heilen"

"Meine höchste Priorität wird es sein, den Schmerz, die Verletzungen und die Wunden zu heilen, die sich über Jahre hinweg angehäuft haben", sagte Bryant. Er habe diese Probleme ein ganzes Leben lang miterlebt. Bryant kündigte an, während der zweijährigen Amtszeit der Interimsregierung eng mit den Vereinten Nationen und anderen internationalen Organisationen zusammenzuarbeiten, um Liberia nach 14 Jahren Bürgerkrieg in freie Wahlen zu führen.

"Der erste Schritt zur Versöhnung des Volkes beginnt heute", sagte der frühere nigerianische General Abubakar in der ghanaischen Hauptstadt Accra. Die liberianische Bevölkerung rief er auf, die Friedensbemühungen zu unterstützen. "Ihr müsst euren Teil dazu beitragen", sagte er. An die Adresse Bryants gerichtet, sagte Abubakar: "Ihre Aufgabe wird nicht leicht sein."

Bryant gilt als neutralster Kandidat

Der Chef der oppositionellen Liberia Action Party setzte sich gegen zwei bekannte politische Persönlichkeiten des Landes durch, die frühere UNO-Mitarbeiterin Ellen Johnson-Sirleaf und Rudolph Sherman. Bryant, der auch führendes Mitglied der Episkopalen Kirche in Liberia ist, gilt als der neutralste Kandidat. Johnson-Sirleaf hatte bei den vergangenen Präsidentenwahlen gegen Taylor kandidiert und die zweitmeisten Stimmen erhalten, Sherman führt dagegen ein Taylor nahe stehendes Parteienbündnis an. Das am Montag von Rebellen und Regierung unterzeichnete Friedensabkommen sieht ausdrücklich vor, dass der Präsident und sein Stellvertreter keiner der beiden früheren Konfliktparteien angehören dürfe.

Parlamentswahlen im Oktober 2005

Bryants Stellvertreter soll Wesley Johnson werden. Die Übergangsregierung soll im Oktober das Kabinett von Moses Blah ablösen, der nach dem Rücktritt von Präsident Charles Taylor die Amtsgeschäfte übernommen hat. Das Interimskabinett soll bis Jänner 2006 im Amt bleiben. Ihm sollen jeweils zwölf Mitglieder der Blah-Regierung und der beiden Rebellenbewegungen LURD und MODEL angehören, außerdem 18 Vertreter politischer Parteien, sieben Mitglieder ziviler Vereinigungen und 15 Vertreter der Regionen. Im Oktober 2005 sollen demokratische Parlaments- und Präsidentschaftswahlen stattfinden.

Der britische Sender BBC berichtete am Donnerstag, dass trotz des Friedensabkommens in Bong County rund 100 Kilometer nördlich von Monrovia immer noch gekämpft wurde. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (Medecins sans Frontieres/MSF) warnte, dass die Front nur 45 Kilometer von einem Lager mit 60.000 Flüchtlingen entfernt sei. Allein bei den Kämpfen um die Hauptstadt Monrovia wurden seit Juni etwa 2.000 Menschen getötet. In den 1990er Jahren kamen in dem Konflikt rund 200.000 Menschen ums Leben. (APA/AP/Reuters/dpa)

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    Liberianer warten auf Nachrichten über die neue Regierung.

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