Suche nach Überlebenden in den Trümmern

21. August 2003, 14:16
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Sicherheitsproblem hat für Bremer "terroristische Dimension" erreicht

Bagdad - Rettungskräfte haben am Mittwoch in Bagdad ihre Suche nach weiteren Opfern in den Trümmern des UNO-Hauptquartiers fortgesetzt, wo sie auch noch Überlebende vermuteten. "Es gibt zwanzig Tote, und vermutlich sind noch viele dort eingeschlossen", sagte Ahmed Chalabi vom Regierenden Rat im Irak nach Gesprächen mit dem Chef der US-geführten Zivilverwaltung, Paul Bremer. Dieser erklärte, das Sicherheitsproblem im Irak habe eine "terroristische Dimension" erreicht, das Land versinke aber nicht im Chaos. "Wir werden unsere Arbeit fortsetzen", betonte UNO-Generalsekretär Kofi Annan. Der britische Außenminister Jack Straw sprach sich einen Tag nach dem Anschlag auf das UNO-Gebäude für ein stärkeres Mandat der Vereinten Nationen im Irak aus. Frankreich und Deutschland unterstützten den Vorschlag.

"Wir haben keinen Zweifel, dass diejenigen, die das terroristische Verbrechen verübt haben, Überreste des Regimes und seiner Freunde sind", sagte Chalabi mit Blick auf die Anhänger des gestürzten irakischen Präsidenten Saddam Hussein. Der Rat habe die USA vor Plänen für einen Anschlag auf ein so genanntes "weiches Ziel" in Bagdad gewarnt. Er habe Geheimdienstinformationen über ein Treffen von Saddam-Anhängern erhalten, die einen Anschlag auf die Zentrale einer irakischen Partei oder der UNO beraten hätten.

Sicherheitsproblem

Der Anschlag sei möglicherweise auch das Werk "einiger ausländischer Terrorgruppen", sagte Bremer im US-Fernsehsender CNN und verwies auf die Gruppe Ansar el Islam, die Kontakte zur El Kaida des Moslemextremisten Osama bin Laden haben soll und vor dem Krieg im Nordirak aktiv war. "Wir haben hier ein Sicherheitsproblem", sagte Bremer im US-Fernsehsender CBS. "Das Sicherheitsproblem hat nun eine terroristische Dimension bekommen. ... Das bedeutet aber nicht Chaos." Bisher hat sich keine Gruppe zu dem Anschlag bekannt, bei dem ein mit Sprengstoff beladener Lastwagen vor der UNO-Zentrale detonierte.

Die UNO begann am Nachmittag damit, ihre verletzten Mitarbeiter nach Jordanien zu fliegen. Auch die Leiche des Sonderbeauftragten Sergio Vieira de Mello wurde nach Amman gebracht. "Wir werden uns nicht einschüchtern lassen", sagte Annan in Stockholm und kündigte an, die Sicherheitsvorkehrungen im Irak zu überprüfen. UNO-Angaben zufolge ist für die Sicherheit des Hauptquartiers die US-Armee zuständig. Annan wies Berichte zurück, nach denen die UNO umfangreichere Schutzmaßnahmen für das Gebäude abgelehnt habe. "Diejenigen, die die Verantwortung für die Sicherheit und das Recht haben, entscheiden, welche Maßnahmen ergriffen werden", sagte Annan. (APA/Reuters)

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