Hamas-Führer Shanab bei Raketenangriff auf Gaza getötet

22. August 2003, 11:28
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Nach Anschlag von Jerusalem nimmt Israel die "gezielten Tötungen" wieder auf - Hamas ruft zu "schneller Vergeltung" auf

Gaza - Israelische Kampfhubschrauber haben am Donnerstag ein Auto in Gaza-Stadt angegriffen und dabei palästinensischen Augenzeugen und Sanitätern zufolge den Hamas-Anführer Ismail Abu Schanab und seine beiden Leibwächter getötet. In israelischen Sicherheitskreisen wurde bestätigt, dass der Angriff Abu Schanab gegolten habe. Die israelfeindliche Hamas ist für zahlreiche Selbstmordanschläge in Israel verantwortlich.

Beschuss mit fünf Raketen

Augenzeugen berichteten, die Hubschrauber hätten fünf Raketen auf ein Wohnviertel in Gaza-Stadt abgefeuert. Mindestens vier der Raketen hätten ein Auto getroffen. Der palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas verurteilte die Liquidierung von Shahab als "hässliches Verbrechen".

Israel hat bereits mehrfach Extremistenführer in gezielten Aktionen getötet, dies aber seit Erklärung der Waffenruhe Ende Juni ausgesetzt. Abu Shanab war der ranghöchste von Israel getötete Palästinenser seit dem Tod des Führers der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP), Abu Ali Mustafa, vor zwei Jahren.

Hamas ruft nach Vergeltung

Nach der gezielten Tötung ihres Führungsmitglieds Ismail Abu Shanab hat die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas ihre Anhänger zur Rache aufgerufen. In einer Erklärung forderte der bewaffnete Hamas-Arm Ezzedin-al-Kassam-Brigaden am Donnerstag eine "schnelle" Vergeltung gegen "Ziele des zionistischen Staats". Israel habe den Waffenstillstand (Hudna) "getötet", und die Antwort darauf werde kommen, hieß es weiter.

"Unvergessliche Lektion"

Auch die Al-Aksa-Märtyrer der Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Yasser Arafat drohten mit Rache. Die "Stunde einer unvergesslichen Lektion für unseren Feind" habe geschlagen, erklärte der bewaffnete Arm der Fatah.

Die Hamas und die radikale Organisation Islamischer Dschihad hatten am 29. Juni eine einseitige Waffenruhe ausgerufen, der sich auch die Al-Aksa angeschlossen hatte. Die Hamas hatte den Waffenstillstand nach der Tötung Abu Shanabs für beendet erklärt.

Israel: "Lächerlich"

Ein hoher Vertreter im israelischen Außenministerium bezeichnete die Aufkündigung der Waffenruhe indes als "lächerlich", zumal die Hamas in den vergangenen Wochen eine Reihe von Anschlägen vorbereitet habe. "Seit der Ankündigung der Waffenruhe waren wir davon überzeugt, dass es sich um eine Zeitbombe handelt", sagte Außenamts-Vizedirektor Gideon Meir.

Palästinensische Autonomiebehörde hatte hartes Vorgehen angekündigt

Die israelische Militäraktion erfolgte, kurz nachdem die palästinensische Autonomiebehörde ein hartes Vorgehen gegen die beiden extremistischen Organisationen und die Festnahme der Hintermänner des Anschlags angekündigt hatte. Der Sprecher von Sicherheitsminister Mohammed Dahlan, Elias Zananiri, hatte eine "Kampagne" in Aussicht gestellt, "die sich Hamas und Islamischer Dschihad nicht in ihren schlimmsten Albträumen ausgemalt haben". Nach dem Anschlag sagte er gegenüber dem US-Nachrichtensender CNN: "Jetzt liegt wieder alles auf Eis."

"Wir verurteilen diese Tat scharf, weil sie nicht dem Frieden dient", sagte er zu Journalisten in Ramallah. Die Hamas hat sich zu dem verheerenden Selbstmordanschlag in Jerusalem am Dienstag bekannt, bei dem 18 Menschen getötet wurden.

Der palästinensische Informationsminister Nabil Amr sprach von einem Rückschlag für den Friedensprozess. "Israels Fortsetzung dieser Eskalationspolitik wird das Bemühen der Palästinenser-Regierung schwächen, für Ruhe zu sorgen und den politischen Prozess voranzubringen." Der Angriff sei unverantwortlich. "Er wirft uns zurück zum Kreislauf der Gewalt, den die Palästinenser-Regierung zu vermeiden versucht."

Abbas hatte Kontakte zu Hamas und Jihad abgebrochen

Abbas hatte am Mittwoch den Kontakt zu den Anführern der Hamas und des Islamischen Jihad abgebrochen. Allerdings war es bei einer nächtlichen Sitzung zwischen ihm und dem palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat zu großen Differenzen bezüglich des Vorgehens gegen die Extremisten gekommen. Während Abbas nach Informationen aus Teilnehmerkreisen ein härteres Vorgehen gegen Extremisten forderte, mahnte Arafat zur Zurückhaltung. Ansonsten könne es zu einem Bürgerkrieg kommen. Abbas habe daraufhin mit seinem Rücktritt gedroht.

Militäraktionen im Westjordanland

Die israelische Regierung startete auch in den Städten Nablus, Jenin und Tulkarem im Westjordanland Militäraktionen. Truppen rückten am Donnerstag in der Früh mit Panzern ein und durchsuchten Häuser. Mindestens 20 mutmaßliche Extremisten wurden festgenommen. In Hebron zerstörten Soldaten das Haus des Attentäters, der am Dienstag mindestens 20 Menschen mit in den Tod gerissen hatte. In Tulkarem erschossen Soldaten nach palästinensischen Angaben am Mittwochabend einen 16-jährigen Palästinenser.

Das israelische Kabinett hatte als Reaktion auf den jüngsten Selbstmordanschlag in Jerusalem mit 18 Toten weit reichende Maßnahmen gegen radikale Palästinenser beschlossen, sollte die Palästinenser-Regierung nicht sofort gegen diese vorgehen. Am Donnerstag waren israelische Truppen bereits vorübergehend in Jenin im Westjordanland vorgerückt und hatten auch in Nablus nach militanten Palästinensern gesucht.

Die USA hatten zusammen mit der Europäischen Union, den Vereinten Nationen und Russland einen Friedensplan vorgelegt, der unter anderem ein Ende der Gewalt und die Gründung eines Palästinenser-Staates bis 2005 vorsieht. Israel und die Palästinenser werfen sich gegenseitig vor, durch Gewalt den Plan zu gefährden.(APA/dpa/Reuters/AP/Reuters)

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    Die israelische Armee sprengte in der Stadt Hebron das Haus des Attentäters in die Luft, der sich am Dienstag in Jerusalem in einem vollbesetzten Bus in die Luft gesprengt hatte.

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    Raketenangriff in Gaza-Stadt

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    Hamas-Anhänger schwören Israel Rache nach Tod von Führer Ismail Abu Shanab

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