Libyen beginnt mit Entschädigungszahlungen für Opfer des Lockerbie-Anschlags

21. August 2003, 06:57
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Bei der Explosion an Bord eines US-Jumbos kamen 270 Passagier ums Leben

Washington - Libyen hat am Mittwoch mit den ersten Entschädigungszahlungen für den Anschlag von 1988 auf ein US-Verkehrsflugzeug über dem schottischen Lockerbie begonnen. Eine Abstimmung des UNO-Sicherheitsrates über eine Aufhebung der Sanktionen gegen Libyen bereits am Donnerstag ist Diplomaten zufolge aber unter anderem wegen des Anschlags auf die UNO-Zentrale in Bagdad nicht zu erwarten.

Die ersten Überweisungen aus Libyen seien bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) eingegangen, verlautete aus US-Regierungskreisen. Wegen der Höhe von 2,7 Milliarden Dollar (2,43 Mrd. Euro) werde die Summe nicht auf einmal überwiesen. Am Donnerstag und Freitag würden weitere Zahlungen erwartet.

Die USA und Großbritannien haben erklärt, eine Sanktionsaufhebung sei erst nach Überweisung der Gesamtsumme möglich. Die beiden Veto-Mächte im Sicherheitsrat hatten sich mit Libyen auf die Summe verständigt. Bei dem Anschlag waren 270 Menschen getötet worden. Libyen hatte in einem Brief an die Vereinten Nationen die Verantwortung für den Bombenanschlag übernommen und erklärt, dem Terrorismus abzuschwören.

Die Verabschiedung einer Resolution über ein Ende der Sanktionen könne sich vielleicht bis kommende Woche verzögern, hieß es in den Diplomatenkreisen. Großbritannien hatte am Montag den Sicherheitsrat aufgefordert, die nach dem Lockerbie-Anschlag verhängten Sanktionen rasch aufzuheben, da Libyen sich zur Zahlung von bis zu zehn Millionen Dollar pro Familie der Opfer bereit erklärt hatte. Russland und die USA haben dem zugestimmt. Die drei Länder haben wie China und Frankreich ein Veto-Recht im Sicherheitsrat.

Die Verzögerung könnte Frankreich dienlich sein, das sich um eine bessere Regelung für die Hinterbliebenen der 170 Opfer bemüht, die 1989 beim Anschlag auf eine französische Passagiermaschine getötet wurden. Die Maschine der Fluglinie UTA war über Niger explodiert. Ein Gericht in Paris hatte für den Anschlag sechs Libyer in Abwesenheit für schuldig befunden. In Fall dieses Anschlags hatte Libyen eine Entschädigung von 34 Millionen Dollar bezahlt. (APA/Reuters)

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    Libyen hat in einem Brief an die Vereinten Nationen (UNO) die Verantwortung für den Bombenanschlag auf den Pan-Am-Flug 103 über Lockerbie 1988 übernommen

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