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21. August 2003, 18:31
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IX. LA-WM: Die Frauen werden die Rekorde brechen - Katar auf Shoppingtrip

Paris - Das Stadion in St. Denis liegt in Blickweite der Kapelle, von deren Stufen aus Jeanne d'Arc vor nicht einmal 600 Jahren zum Befreiungskampf gegen die Engländer aufrief. Es sah 1998 Frankreichs größte Stunde, den WM-Sieg über Brasilien: 3:0.

Sommerschlussverkauf

Fünf Jahre später ist der geweihte Ort mit dem heiligenscheinartigen Dach Schauplatz der IX. LA-WM (23.-31. 8.). Noch nie nahmen so viele Athleten teil (1902 - 1054 Männer, 848 Frauen aus 203 Ländern), 46 Titel und Prämien von 7,044 Millionen Dollar (6,334 Millionen Euro) werden ausgelobt. Österreichs Medaillenhoffnung ist 800-m-Vizeweltmeisterin Stephanie Graf. Wie im Fußball kauft das Öl-Emirat Katar seit kurzem auch Läufer, zuletzt Saif Saeed Shaheen alias Stephen Cherono. Der kenianische Hindernisläufer wurde quasi im Sommerschlussverkauf erworben und darf bei der WM teilnehmen. Neben Cherono wechselte auch Albert Chepkurui - jetzt: Ahmad Hassan Abdullah - nach Katar. Für angeblich 1000 Dollar im Monat, lebenslang. Kenias Verbandspräsident soll jedoch kürzlich ausgeplaudert haben, dass das Vertragswerk insgesamt eine Million Dollar umfasst.

Seit Athen 1997, Sevilla 1999 und Edmonton 2001 erhalten Einzelweltmeister einen Bonus von 60.000 Dollar, Weltrekordler 100.000 Dollar. Die russische Stabhochspringerin Jelena Isinbajewa setzte am 13. Juli in Gateshead den Weltrekord auf 4,82 m, sie gilt neben Teamkollegin Julija Peschonkina (WR am 8. August in Tula über 400 m Hürden in 52,34) als erste Anwärterin auf den Bonus.

Männer drängen sich bisher nicht zum Weltrekord. Der nicht in Hochform laufende Maurice Greene (USA/100 m) könnte mit dem vierten Titel en suite "King Carl" Lewis überholen, der von 1983 bis 1991 im alten WM-Rhythmus von vier Jahren drei WM-Siege sammelte.

Abwegige Aktivitäten

Lewis (41) ist übrigens weiterhin aktiv, bei einer gerichtlichen Anhörung im Metropolitan Branch Courthouse von Los Angeles (Trunkenheit am Steuer mit Unfallfolge) beteuerte der neunmalige Olympiasieger seine Unschuld. Nicht persönlich, er ließ sich vom Anwalt vertreten. Lewis war am 21. April von der Highway-Polizei von Kalifornien verhaftet worden, nachdem er mit seinem Maserati in eine Barriere gefahren war. Lewis blieb unverletzt, er hatte einen Blutalkoholgehalt von mehr als 0,8 Promille. (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 21. August 2003, red)

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