Schlecht gesattelt

20. August 2003, 19:43
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Im Galopp wollte man im Wintersemester loslegen. Nun geht es nicht einmal im Schritt weiter. Der dreijährige spezielle Studienlehrgang "Pferdewissenschaften", konzipiert wohl für Gutshofbesitzer und Reitbegeisterte, ist um die übliche Studiengebühr zu haben. Praktisch für die späteren Absolventen, die sich nach Abschluss dieser Ausbildung nicht mit Hunderten Konkurrenten bei der Arbeitssuche herumschlagen müssen wie Absolventen anderer Studienrichtungen. Bloß: Für die vielen Interessenten reicht der Platz nicht.

Also braucht man Auswahlkriterien, wer Pferdewissenschaft belegen darf und wer nicht. Und spätestens hier beginnt die rechtliche Grauzone: Bewerber aus anderen EU-Staaten mit dem Hinweis abzuwimmeln, die lange Anreise zum Interview nach Wien sei allein wegen des beschränkten Platzangebotes wenig zielführend, verstößt gegen das Gleichbehandlungsprinzip. Abgesehen davon ist es mit dem freien Hochschulzugang unvereinbar, nicht bloß die Ansuchen der Studenten zu prüfen, sondern weiter gehende Voraussetzungen für die Aufnahme zu definieren: Etwa die, dass ein geübter Reiter eher aufgenommen wird als ein Radfahrer.

Neben der chaotischen Administration wird man den Eindruck nicht los, dass hier exemplarisch die Einführung eines Numerus clausus geprobt wird. Das könnte eine negative Vorbildwirkung haben. Die Studienrichtung Psychologie erfreut sich auch großer Beliebtheit. Also könnte jemand auf die Idee kommen, spezielle Voraussetzungen zu schaffen: Der Nachweis der Überwindung eventuell vorhandener Kindheitstraumata könnte als bindendes Kriterium vorgeschrieben werden.

Das Ministerium hat nun über eine Aufsichtsbeschwerde zu entscheiden. Zeit sparender für die Studenten wäre die Zusicherung eines Studienplatzes für alle. Doch da liegt der Hund begraben: Für mehr Plätze fehlt das Geld. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21. 8. 2003)

Kommentar von Eva Bachinger
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