Das Haus der Sorgen

24. August 2003, 22:58
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Projekt Kleines Festspielhaus in Salzburg: "Enorme Schwierigkeiten" drohen durch die erneute Verzögerung

Der Umbau des Kleinen Festspielhauses ins "Haus für Mozart" verzögert sich erneut. Eine nicht zeitgerechte Fertigstellung bis zum Frühjahr 2006 hätte für das Salzburger Festival katastrophale Folgen.


Salzburg - Zu früh gefreut hat sich Helga Rabl-Stadler, die Präsidentin der Salzburger Festspiele, als sie unlängst erklärte, dass alle rechtlichen Fragen im Zusammenhang mit dem Umbau des Kleinen Festspielhauses geklärt und alle Einsprüche abgewiesen worden wären: Das nach der Zuschlagentscheidung eines Bauauftrages (Abbruch und Rohbau um 6,1 Millionen Euro) zweitgereihte Unternehmen Porr/Hinteregger erhob Einspruch gegen die Vergabe an die Salzburger Konkurrenz Kreuzberger. Und das Bundesvergabeamt in Wien gab dem Antrag auf Erlassung einer einstweiligen Verfügung statt.

Denn die Interessen eines möglicherweise übergangenen Bieters an der Gewährleistung eines effektiven Vergaberechtsschutzes seien vor die Interessen der Auftraggeberin zu stellen. Für die Dauer der Nachprüfung bis spätestens 12. Oktober wurde daher die Zuschlagserteilung ausgesetzt. Das bedeutet, dass sich der geplante Baubeginn (15. September) zumindest um einige Wochen hinauszögern wird. Was erhebliche Folgen haben könnte: Das "Haus für Mozart" nach den Plänen von Fran¸cois Valentiny/Wilhelm Holzbauer ist unverzichtbarer Veranstaltungsort der Festspiele 2006, da zum 250. Geburtstag des Komponisten sämtliche 22 Bühnenwerke aufgeführt werden sollen.

Der erste Abschnitt (Bühnenturm, Unterfangarbeiten) muss zudem bis Mai 2004 abgeschlossen sein. Denn das Kleine Haus wird sowohl für Konzerte der Pfingstfestspiele als auch zwei Opernproduktionen der Sommerfestspiele (Die tote Stadt und Die Entführung aus dem Serail) benötigt.

Gerbert Schwaighofer, Finanzchef des Festivals, befürchtet nun, wie er im ORF-Interview sagte, "enorme Schwierigkeiten": Sollte das Kleine Festspielhaus 2004 nicht zur Verfügung stehen, würde ein Einnahmenausfall von drei Millionen Euro drohen. Nebenkosten und Pönalen für entfallene Gastspiele könnten den Verlust auch auf sechs Millionen schrauben.

Und Anna Hofstätter, die Geschäftsführerin der Haus-für-Mozart-GmbH, meinte gegenüber der APA: "Jeder Tag Verzögerung bringt uns in ärgste Bedrängnis." Ein Einspruch sei aber nichts Außergewöhnliches; die anderen beiden Großaufträge konnten bereits vergeben werden.

Von den geschätzten Gesamtkosten von 29 Millionen Euro müssen noch deren vier aufgebracht werden: durch weitere Charity-Veranstaltungen und eine Bausteinaktion, die Rabl-Stadler kommendes Frühjahr starten will.
(DER STANDARD, Printausgabe, 21.8.2003)

  • Rund vier Millionen Euro sind noch nicht finanziert: der Eingangsbereich des umgebauten Kleinen Festspielhauses vulgo "Haus für Mozart".
    grafik: holzbauer/ irresberger/ hermann/ valentiny

    Rund vier Millionen Euro sind noch nicht finanziert: der Eingangsbereich des umgebauten Kleinen Festspielhauses vulgo "Haus für Mozart".

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