Nachlese: "Genau das ist zu befürchten"

21. August 2003, 20:35
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Zwei Experten warnten bereits im Frühjahr davor, sich nicht auf den militärischen Sieg im Irak zu verlassen

Der verheerende Anschlag auf das UN-Quartier in Bagdad ist für viele Experten nur der vorläufige Höhepunkt einer unkontrollierbaren Entwicklung, die der Irakkrieg der USA und Großbritanniens ausgelöst hat.

Im STANDARD schrieb Fawaz A. Gerges, Professor für Nahoststudien am Sarah Lawrence College, am 14. Februar:

"Verzweiflung und Abneigung haben sich in der jüngeren Generation der Araber, die über 50 Prozent der Bevölkerung in der Region stellt, breit gemacht. Die politische Unterdrückung und das Schweigen der arabischen öffentlichen Meinung sollte Amerika und seine arabischen Verbündeten beunruhigen und nicht in Sicherheit wiegen, bedeutet es doch, dass die Öffentlichkeit keine Möglichkeit hat, ihre Interessen, Forderungen und Frustrationen in friedliche Bahnen zu lenken. Eine Irak-Invasion der USA mit vielen Opfern unter der Zivilbevölkerung würde dieses Gefühl der Ohnmacht und der Schikane, das die arabische Jugend empfindet, noch vertiefen und ihre Bereitschaft fördern, Gruppierungen beizutreten, die wie Al-Kaida zum heiligen Krieg aufrufen. Wohl nicht zufällig haben in den letzten Wochen Al-Kaida Propaganda-Botschaften zunehmend auf die Irak-Krise Bezug genommen. Die Organisation versucht offenbar, aus dem nahenden Krieg Nutzen zu ziehen, indem sie sich als Verteidiger des irakischen Volks neu zu profilieren versucht, und findet dabei ein aufnahmebereites Publikum."

Der US-Investor George Soros warnte am 17. März:

"Der militärische Sieg im Irak ist nur der Anfang. Viel bedenklicher hingegen ist die Frage: Was kommt danach? Um noch einmal auf meinen Börsenvergleich zurückzukommen: In einem Boom-Bust-Zyklus bestärkt das Bestehen eines frühzeitigen Tests nur die falsche Wahrnehmung, die diesen Zyklus auslöst. Und genau das ist in diesem Fall zu befürchten."(DER STANDARD, Printausgabe, 21.8.2003)

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