Schnupfen im Glashaus

6. Oktober 2003, 15:56
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Jetzt hat es auch noch einen Maler erwischt! Jörg Immendorff wird beschuldigt, als Vertreter der ohnehin nicht gerade ...

... als Mädchenpensionat rezipierten Kaste der schönen Künstler nicht nur gleich elf Prostituierte zur "schlimmsten Sexorgie des Jahres" (Bild-Zeitung) in ein Düsseldorfer Hotel geladen zu haben.

Auf einem klischeeerfüllenden Silbertablett sollen zwecks Steigerung des Durchhaltevermögens diesbezüglich laut Staatsanwaltschaft auch noch "nicht geringe Mengen" jenes Stoffes aus Kolumbien bereitgelegen haben, die zuvor auch schon den Herrschaften Michael Friedmann, Christoph Daum oder Konstantin Wecker über die verflachenden Erlebniskurven eines Prominentendaseins hinwegzuhelfen imstande waren. Interessanterweise hat sich das deutsche Privatfernsehen zu diesem Thema bis dato zurückgehalten.

Das mag zum einen daran liegen, dass einem Künstler im Gegensatz etwa zum moralischen Zeigefinger Michel Friedman von vornherein ein, nun ja, Saubären-Dasein unterstellt wird - und man dementsprechend keine Schlagzeilen in Formaten wie RTL-Exklusiv machen kann.

Zum anderen sind Drogen in der "kreativen" Branche eigentlich schon lange nur mehr ein Thema, wenn die saure Gurke gerade besonders nach Essig mieft. Wie meinte Harald Schmidt jetzt anlässlich des Abgangs der Kölner Musikmesse Popkomm nach Berlin? Der Kölner Kripo sei damit ein großer Schlag gegen die Drogenkriminalität gelungen. Oder auch: Glashäuser haben Konjunktur. (schach/DER STANDARD; Printausgabe, 21.8.2003)

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