Leben auf dem Tiefseeboden geht eigene Wege

23. August 2003, 11:00
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Nahrung "regnet" nur einmal pro Jahr nieder - Meeresbiologen erforschen globalen Kohlenstoffkreislauf

Bremen/Kiel - Meeresforscher haben entdeckt, dass in der Tiefsee zuerst Würmer und Krebse die Nahrung aufbereiten, bevor diese von Mikroorganismen endgültig abgebaut wird. Diese Entdeckung bringt Licht in die komplexen Abläufe des Lebens am Meeresgrund und den globalen Kohlenstoffkreislauf, berichtet das Bremer Max Planck Institut für marine Mikrobiologie.

50 Prozent der Erdoberfläche bestehen aus Meeresboden, der mehr als 3.000 Meter unter dem Wasser liegt. Das Leben auf dem Tiefseeboden - einem Lebensraum ohne Licht und mit Temperaturen von nur zwei bis vier Grad Celsius - geht eigene Wege: Im tiefen Nordatlantik gibt es nur einmal im Jahr Nahrung. Nach der wiederkehrenden Planktonblüte sinken dann abgestorbene Algen auf den Meeresboden ab. Den Wissenschaftlern war bisher nicht bekannt, wie die Lebensgemeinschaft der Tiefsee mit diesen Ressourcen ein ganzes Jahr haushalten kann.

Die Zusammenhänge

Erst jetzt haben deutsche Meeresbiologen vom Max-Planck-Institut (Bremen) zusammen mit Forschern von Geomar (Kiel), der Universität Tübingen und der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (Braunschweig) zum ersten Mal mit Hilfe modernster Tiefseetechnik und Isotopen-Markierung diese Zusammenhänge im größten Ökosystem der Erde ergründet.

Dabei konnten die Forscher feststellen, dass nicht die vielen Bakterien und anderen Mikroorganismen, sondern die wenigen kleinen Krebse und Würmer als erste die organische Nahrung aufnehmen. Diese Lebewesen bringen die abgestorbenen Algen in die Tiefen ihrer Bauten. Damit bringen sie die Nahrung dorthin, wo sich dann auch weitere Abnehmer dafür finden. Erst in dieser Umgebung kommen die kleineren Bewohner, wie Nematoden, und anschließend die verschiedenen Mikroorganismen an die Reihe.

Diese Entdeckung am Grund der Ozeane ist sehr wichtig, um den Abbau von organischem Kohlenstoff am Tiefseeboden als Teil des globalen Kohlenstoffkreislaufs verstehen und die Stabilität dieses Ökosystems besser abschätzen zu können. (pte)

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