Konfliktparteien uneins über Wahl des Übergangspräsidenten

21. August 2003, 07:50
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UNO-Gesandter Klein über die Lage im Land:"Niemand wurde bisher demobilisiert, niemand entmilitarisiert" und "Friedenstruppe zu klein"

Accra - Erneuter Streit zwischen den Konfliktparteien im Bürgerkrieg Liberias droht die Bemühungen um die Wahl eines neuen Übergangspräsidenten für das westafrikanische Land zu behindern.

Unmittelbar vor einer Gesprächsrunde in Ghana erklärten die Rebellen am Mittwoch, sie benötigten mehr Zeit, um sich für einen der drei zur Wahl stehenden Kandidaten zu entscheiden. Außerdem kündigte einer der abgelehnten Bewerber an, er werde gegen das Auswahlverfahren Beschwerde einlegen. Der Übergangspräsident soll ab Oktober Staatschef Moses Blah ablösen und zwei Jahre im Amt bleiben. Blah übernahm das Amt vergangene Woche, nachdem Präsident Charles Taylor nach Nigeria ins Exil gegangen war. Bei Gesprächen am Mittwoch wollten Vertreter Blahs mit den beiden wichtigsten Rebellengruppen Liberias zusammenkommen.

UNO-Gesandter: "Friedenstruppe zu klein"

Trotz der noch immer angespannten Sicherheitslage bemühten sich die Hilfsorganisationen in Liberia weiter um die Versorgung mehrerer hunderttausend Menschen, die durch den Bürgerkrieg in Not geraten sind. "Hier ist noch nichts abgeschlossen", sagte der UNO-Gesandte Jacques Paul Klein. "Niemand wurde bisher demobilisiert, niemand entmilitarisiert." Nach Kleins Ansicht muss die Friedenstruppe im Land 15.000 Soldaten umfassen - zehn Mal mehr als derzeit im Einsatz sind. Insgesamt haben westafrikanische Länder die Entsendung von 3000 Soldaten zugesagt.

Allein seit dem jüngsten Ausbruch des Bürgerkriegs sind 2000 Menschen getötet worden, hunderttausende wurden vertrieben. In den 90er Jahren kamen rund 200.000 Menschen durch den Konflikt ums Leben. Am Montag unterzeichneten die liberianische Regierung und die Rebellengruppen ein Abkommen, dass dem Land nach 14 Jahren den Frieden bringen soll. Das Abkommen sieht eine gemeinsame Übergangsregierung und erste Wahlen im Jahr 2005 vor. (APA/Reuters)

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