Einbaum in Ostsee-Hafen ausgebuddelt

25. August 2003, 12:54
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6.500 Jahre altes Gefährt ist acht bis zwölf Meter lang

Neustadt - Ein 6.500 Jahre alter Einbaum ist im Ostsee-Hafen von Neustadt im Kreis Ostholstein entdeckt worden. Am Mittwoch begannen schleswig-holsteinische Archäologen damit, den Fund zu bergen. Im nördlichsten deutschen Bundesland sei das acht bis zwölf Meter lange Boot der erste Fund dieser Art, sagte Grabungsleiter Sönke Hartz vom Archäologischen Landesamt (Schleswig). Er sprach von einer kleinen Sensation für das Land. "Wir können leider nur Fragmente bergen, das komplette Boot wird es nicht mehr sein", bedauerte Hartz.

Sollten sich die weiteren Untersuchungen hinsichtlich des Bootsalters bestätigen, wäre es zumindest für Schleswig-Holstein das älteste Wasserfahrzeug, das jemals gefunden wurde. An anderen Forschungsplätzen vor allem in Skandinavien und auch in Deutschland, wie bei Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern), waren bereits ähnlich alte Einbäume ausgegraben worden.

Im Schlick erhalten

Das Neustädter Boot aus dem mit Äxten ausgeschlagenem Stamm einer Linde ruht unter einer dicken Schlickschicht in einer Wassertiefe von gut vier Metern. Erste kleinere Teile wurden von Tauchern bereits aus dem Wasser geholt. Die gesamte Ausgrabung der sehr brüchigen Bootsfragmente im Bereich des Marinehafens - rund 140 Meter vor dem Ufer - dauert nach Angaben von Hartz voraussichtlich bis zum nächsten Montag.

Der Fund steht im Zusammenhang mit der Erforschung einer Siedlung aus der mittleren Steinzeit (Mesolithikum), die bei Neustadt bereits seit gut einem Jahr läuft. Es handelt sich um einen küstennahen Wohnplatz frühzeitlicher Jäger und Fischer. Der Einbaum diente in der Zeit rund 4500 v. Chr. zum Fischfang und für den Transport von Waren. Im Schlick konserviert, sind auch dazu gehörende Stechpaddel entdeckt worden. Außerdem wurden bisher Überbleibsel von Reusen, Äxten und Harpunen gefunden. (APA/dpa)

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