Malaria-Hausmittel unter die Lupe genommen

24. August 2003, 14:00
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Chinesischer Beifuß als wichtige Arznei bezeichnet

London - Im Kampf gegen die Tropenkrankheit Malaria haben Wissenschafter offenbar das Geheimnis eines jahrhundertealten chinesischen Heilmittels gelüftet. Mit der Wirkungsweise des Chinesischen Beifußes sei das Mysterium einer der wichtigsten Malaria-Arzneien erkannt worden, kommentierte eine Forschergruppe an der Londoner Universitätsklinik St. George am Mittwoch ihre in der neuen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Nature" veröffentlichten Erkenntnisse.

Sollten sich die Beobachtungen bestätigen, könnten diese einer neuen Generation kostengünstiger und effektiver Medikamenten gegen die Krankheit den Weg bahnen. Jedes Jahr stirbt rund eine Million Menschen an Malaria.

Wirkungsweise

Das Team um den Wissenschafter Sanjeev Krishna fand heraus, dass Artemisia annua - so der lateinische Name des Krauts - den lebensnotwendigen Kalziumaustausch und dadurch den Stoffwechsel in den Malaria-Erregerzellen blockiert. Die Forscher hoffen nun, Medikamente zu entwickeln, die das relevante Enzym PfATP6 der Malaria-Erreger gezielt abstellen. Eine solche Behandlung könnte vollkommen frei von Nebenwirkungen sein.

"Wir können es kaum erwarten, die Erkenntnisse in Regionen anzuwenden, in denen die Malaria-Erreger gegen die herkömmlichen Mittel bereits weitgehend resistent sind", hieß es in der Erklärung. Auch die Weltgesundheitsorganisation erklärte das für den Kalziumaustausch relevante Enzym bereits zum Hauptziel im Kampf gegen Malaria.

Traditionsarznei

Der Chinesische Beifuß wurde in Fernost bereits vor mehr als 2.000 Jahren zur Fiebersenkung eingesetzt. Im 16. Jahrhundert entdeckte der chinesische Weise Li Shizen, dass dieses Mittel auch zur Behandlung von Malaria-Symptomen geeignet ist. Seit 1972 sind unter anderem auch chinesische Wissenschafter der Wirkungsweise von Artemisia annua auf der Spur. (APA)

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