Amazon will eigenes "Hologramm"-Smartphone vorstellen

12. April 2014, 10:15
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Display kann dreidimensionale Bilder ohne eine zusätzliche Brille darstellen

Amazon will noch in der zweiten Jahreshälfte ein eigenes Smartphone herausbringen. Das berichten mehrere Personen, die mit den Plänen des Unternehmens vertraut sind. Der Schritt ist Teil der Hardware-Strategie des Unternehmens, mit der Amazon noch stärker in Konkurrenz zu Apple und Samsung treten würde.

Vorgestellt

Der Online-Händler habe verschiedene Versionen seines Smartphones in den vergangenen Wochen Entwicklern in San Francisco und an seinem Hauptstandort in Seattle vorgeführt, berichten die Insider. Die mit den Vorgängen vertrauten Personen wurden darüber informiert, dass Amazon das Gerät bis Ende Juni vorstellen wird und mit dem Verkauf der Telefone Ende September beginnen will. Damit würde es noch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft auf den Markt kommen.

Die Personen sagten weiter, dass Amazon hofft, dass sich sein Smartphone aus dem umkämpften Markt abheben kann. Dafür wurde ein spezielles Display verbaut, das dreidimensionale Bilder ohne eine zusätzliche Brille darstellen kann. Die eingeweihten Personen berichten, dass dafür eine spezielle Technologie zum Einsatz komme, die mithilfe von vier Kameras oder Sensoren die Bewegung der Augen verfolgen kann, um so 3D-artige Bilder anzuzeigen, ähnlich Hologrammen.

Preis unklar

Wie genau das Smartphone aussehen und was es kosten wird, das ist noch unklar. Die mit den Vorgängen vertrauten Personen erklärten, dass Amazon seine Pläne wegen Problemen bei der Leistungsfähigkeit oder sonstiger Bedenken noch einmal ändern könnte. Ein Amazon-Sprecher wollte sich nicht dazu äußern.

Amazon würde mit einem Schlag in einen hochgradig wettbewerbsintensiven Markt eintreten, der einst dominante Anbieter wie Blackberry und Motorola schon das Fürchten gelehrt hat. Apple und Samsung allein vereinnahmen 49 Prozent des weltweiten Smartphone-Marktes, wie aus den Daten des Marktforschers IDC hervorgeht. Es dürfte schwierig werden, gegen die beiden anzukommen.

Fire TV

Mit einem eigenen Smartphone würde Amazon immer mehr in den Bereich Hardware vordringen. Erst letzte Woche wurde die Set-Top-Box Fire TV vorgestellt. Gleichzeitig kündigte der Konzern an, demnächst einen Barcode-Scanner zu vertreiben. Den können die Kunden zu Hause nutzen, um beispielsweise neue Lebensmittel oder andere Waren zu bestellen, ohne sich in ihren Computer einloggen zu müssen. Eine neue Version des Tablets Kindle Fire wurde letztes Jahr eingeführt.

An das Hardwaregeschäft geht Amazon allerdings anders heran als viele andere Unternehmen. Konzernchef Jeff Bezos hat einmal gesagt, er sei eher daran interessiert, von den Einkäufen zu profitieren, die Kunden über Amazon-Geräte tätigen, als von den Geräten selbst Gewinn abzuschöpfen.

Ideal für Videospiele

Ein Verkaufsargument könnte die neue 3D-Technologie sein. Diese wäre ideal für Videospiele, ein Bereich, auf den Amazon in jüngster Zeit mehr und mehr den Fokus gelegt hat, auch bei der Set-Top-Box. Die Software ist laut Informanten, die das Gerät ausprobiert haben, optimiert für Spiele, bei denen das Visuelle eine große Rolle spielt. Sie erlaube es eine verbesserte Tiefenwahrnehmung.

Es ist bislang noch nichts darüber bekannt, welches Betriebssystem das Telefon verwenden wird oder mit welchen Mobilfunkanbietern Amazon zusammenarbeiten wird. Das Tablet Kindle Fire und die Set-Top-Box Fire TV arbeiten mit Googles mobilem Betriebssystem Android. Amazon hat aber seinen eigenen App Store für die Kindle-Tablets ins Leben gerufen und gestattet darauf keinen Zugang zu Google .

Mobilfunkdieste für die Kindle-Tablets und E-Reader stellt AT&T T zur Verfügung. Ein Sprecher des Telekommunikationskonzerns wollte sich auf Anfrage aber nicht zu einem neuen Amazon-Smartphone äußern.

600.000 Einheiten

Einem seiner Lieferanten hat Amazon laut einer informierten Person mitgeteilt, dass der Start der Massenproduktion des Gerätes noch diesen Monat erwartet werde, mit einer ersten Order von 600.000 Einheiten. Amazon habe zwei Display-Hersteller an der Hand, darunter die Japan Display Inc, 6740.TO die auch die Displays für die Apple-Telefone iPhone 5C und 5S liefert, sagte eine weitere mit den Details vertraute Person. Ein Vertreter von Japan Display lehnte einen Kommentar ab.

Amazon habe ausgewählte App- und Softwareentwickler eingeladen, um das Smartphone zu präsentieren, sagten zwei Informanten. Die Demonstrationen hätten in bewachten Hotelsuiten stattgefunden.

Mit dem eigenen Smartphone könnte Amazon Zugang zu weiteren Kundendaten wie dem Standort und den App-Downloads erhalten, was dem Online-Händler wiederum neue Absatzmöglichkeiten für E-Books, Video-Downloads und Dinge wie Haushaltsgeräte eröffnen könnte. (GREG BENSINGER und EVELYN RUSLI, WSJ.de/derStandard.at, 12.4. 2014)

  • Amazon-Gründer Jeffrey P. Bezos will nun auch den Smartphone-Markt erobern.
    foto: ap

    Amazon-Gründer Jeffrey P. Bezos will nun auch den Smartphone-Markt erobern.

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