Notenbanken wollen ABS wiederbeleben

11. April 2014, 19:22
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Asset Backed Securities, schöne Instrumente für eine schöne Finanzwelt gerieten als wichtige Zutat für die Krise in Verruf. Jetzt sollen sie wieder auferstehen

Frankfurt - Es war das  Jahr 2007, als Asset Backed Securities (ABS) den Zenit ihrer dramatischen Wirkung erreichten. Dabei sind ABS nicht grundsätzlich böse. Sie sind im Prinzip eine mathematisch-juristische Konstruktion, die es den Banken ermöglicht, Kredite zu vergeben, ohne dafür zu haften. Wie das geht: Man trennt den Schuldner vom Gläubiger, das Risiko von der Haftung, den Kredit von der Kreditwürdigkeit. Verbriefte Krediten gerieten als wesentlicher Beitrag zur Implosion des Finanzmarktes kräftig in Verruf. Vom Jahr 2000 an explodierte der Markt. Spätere Pleitebanken hatte Asset Backed Securities im großen Stil genutzt, um Risiken auszulagern. In der US-Hypothekenkrise sind dann - wie mitterlweile wieder und wieder repetiert - die verwendeten Sicherheiten reihenweise ausgefallen: Mit den heute noch zu verdauenden Folgen.

Jetzt wollen Europas führende Notenbanken den Verbriefungsmarkt wiederbeleben. Allerdings etwas anders: In einem am Freitag veröffentlichten Papier schlagen die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of England (BoE) vor, künftig zwischen "hochqualitativen" und weniger hochwertigen Verbriefungen zu unterschieden. Einen guten Grund nennen die Notenbanken auch: Insbesondere die schwache Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen sollen in Gang gebracht werden, unter der insbesondere südeuropäische Länder leiden.

Die Initiative richtet sich auf forderungsbesicherte Wertpapiere (Asset Backed Securities, ABS). Das sind Anleihen, die mit verschiedenen Arten von Kreditforderungen wie Hypotheken, Unternehmens- oder Verbraucherdarlehen abgesichert sein können. Als Sicherheiten werden regelmäßig Forderungen gegen mehrere Schuldner verwendet, weswegen auch von "Kreditpaketen" die Rede ist. 

Massiver Wertverlust

Die Papiere sind  - wie erwähnt - in der US-Hypothekenkrise stark in Verruf geraten, weil die verwendeten Sicherheiten reihenweise ausgefallen sind und die Wertpapiere in der Folge massiv an Wert verloren haben. In ihrem Papier verweisen die Notenbanken darauf, dass die Ausfallquoten in den USA wesentlich höher als in Europa gewesen seien. Von 2007 bis 2013 seien in Europa im Schnitt lediglich 1,5 Prozent aller Papiere ausgefallen. In einzelnen Bereichen seien die Ausfälle sogar noch geringer gewesen. In den USA habe die entsprechende Ausfallquote mit 18,4 Prozent hingegen deutlich höher gelegen. Dennoch hat auch der Ruf europäischer ABS seither stark gelitten.

Zur Unterscheidung zwischen "guten" und "schlechten" ABS wollen die Notenbanken an ihre eigenen Sicherheitenregeln anknüpfen. Dementsprechend müssten die Papiere möglichst einfach strukturiert, ausreichend gekennzeichnet und transparent ausgestaltetet sein, heißt es in dem Dokument. Derartige ABS-Papiere sollen im Gegenzug einer weniger strengen Regulierung unterworfen werden. Gegenwärtig werde in der Regulierung zu wenig zwischen einzelnen Verbriefungsarten differenziert.

Wie EZB-Chef Mario Draghi Anfang April erklärt hatte, sähe die Notenbank in einem funktionierenden ABS-Markt einen guten Ansatzpunkt, um gegen die aus ihrer Sicht zu niedrige Inflation im Währungsraum vorgehen zu können. Dazu könnten ABS in großem Stil angekauft werden, was einer zusätzlichen Lockerung der Geldpolitik entspräche. Seit der Finanzkrise funktionieren die ABS-Märkte nicht mehr. Kreditverbriefungen seien gebrandmarkt, heißt es in dem Papier der beiden Notenbanken. Das wollen EZB und BoE nun ändern. (Reuters/red, derStandard.at, 11.4.2014)

  • Solche Schilder sah man in Folge des Zusammenbruchs des US-Immobilienmarktes reichlich. Jetzt soll die Sache mit den Krediten etwas anders aufgezogen werden - wird zumindest versprochen.
    foto: reuters/downing

    Solche Schilder sah man in Folge des Zusammenbruchs des US-Immobilienmarktes reichlich. Jetzt soll die Sache mit den Krediten etwas anders aufgezogen werden - wird zumindest versprochen.

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