Österreich auf dem Weg zur Abgabenspitze

11. April 2014, 22:28
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Die Abgaben auf Arbeitskosten steigen unentwegt. Höhere Einkommen profitieren laut OECD von einer niedrigeren Gesamtbelastung

Wien - Die lautstarken Forderungen von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite nach einer Entlastung der Lohneinkommen sind am Freitag durch eine neue Untersuchung der Industriestaatenorganisation OECD untermauert worden. Demnach sind Steuern und Abgaben auf die Arbeitskraft neuerlich gestiegen, während es in einigen anderen Staaten zur Entlastung gekommen ist. Österreich rückte im Vorjahr mit einem Anteil der Steuern und Abgaben an den Lohnkosten ("Steuerkeil") von 49,1 Prozent auf den dritten Platz vor.

Gemessen wurden Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge sowie die Lohnsteuer eines Durchschnittsverdieners (41.693 Euro), eines Alleinverdieners ohne Kinder. 2011 lag dieser Wert noch bei 48,4 Prozent. Seither kam es u. a. in Frankreich und Ungarn zu Entlastungen, wodurch Österreich an den beiden Ländern vorbeizog. Der Abstand zu Deutschland, das Land mit den zweithöchsten Lohnabgaben, hat sich auf 0,2 Prozentpunkte verkleinert. Sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz ist der Anteil von Steuern und Abgaben an den Lohnkosten gesunken. Im westlichen Nachbarland machen sie mit 22 Prozent nicht einmal die Hälfte des österreichischen Werts aus, allerdings müssen sich die Eidgenossen selbst kranken- und pensionsversichern. Auch der OECD-Durchschnitt liegt mit 39,5 Prozent deutlich unter dem heimischen Niveau.

Nicht ganz so weit vorn liegt das Land, wenn Kinder im Spiel sind. Die Abgaben bei einer Alleinverdienerfamilie mit zwei Kindern und durchschnittlichem Einkommen machen 38,4 Prozent aus - Rang vier. In Deutschland schneiden Gruppen mit diesen Kriterien mit einem Steuerkeil von 33,8 Prozent freilich um einiges besser ab. Dazu kommt, dass auch hier der Trend in Österreich nach oben weist.

Auch im Beispiel Alleinerziehender mit einem Brutto von zwei Dritteln des Durchschnittseinkommens und zwei Kindern stieg die Belastung gegenüber 2012 mit plus 0,7 Prozentpunkten überhaupt am stärksten, allerdings liegt Österreich mit Rang acht bei dieser Gruppe nicht im vordersten Spitzenfeld. Grund für die ständig steigende Belastung ist die kalte Progression, in der Inflationsanpassungen dazu führen, dass man in höhere Steuertarife rutscht, ohne real mehr zu haben. Das erklärt auch, warum alle untersuchten Familientypen mit höherer Belastung konfrontiert waren.

Neuerlich aufgezeigt hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, dass Österreichs Abgabensystem nicht durchgehend progressiv ist. Das hängt vor allem mit der Höchstbeitragsgrundlage zusammen, ab der zusätzliches Einkommen zu einer niedrigeren Gesamtbelastung führt. Das ist in Österreich laut OECD ab einem Verdienst der Fall, der ein Drittel über dem Durchschnitt liegt (rund 56.000 Euro). In unteren Einkommensstufen ist die Progression hingegen im internationalen Vergleich sehr hoch. Kinder bringen in diesem Bereich eine verhältnismäßig starke Entlastung. Da für diesen Teil der Untersuchung Daten von 2012 zugrunde liegen, bleibt der erst 2013 eingeführte Solidarbeitrag unberücksichtigt.

Insgesamt hat sich die Steuer- und Abgabenlast im vergangenen Jahr in 21 von 34 OECD-Ländern erhöht. Am massivsten fielen die Steigerungen in Portugal, der Slowakei und den USA aus. (as, DER STANDARD, 12.4.2014)

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