Geheime Losung für unzählige digitale Türen

11. April 2014, 18:46
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Das Passwort ist der Schlüssel zur Daten- sicherheit im Netz

Eine Kombination aus zwölf Ziffern, Sonderzeichen und großen und kleinen Buchstaben wäre ein gutes Passwort. Zum Beispiel dG5%fdP9x$cR. Man sollte sich für jeden E-Mail-Dienst, Webshop und sonstigen Account unterschiedliche Passwörter zulegen - und sie regelmäßig wechseln. Sie im Computer oder auf Papier zu speichern ist unsicher. Und Gehirne, die sich unzählige immer neue derartige Passwörter merken können, sind rar. Ein Dilemma.

Alle Bemühungen gedächtnisstarker Netzbewohner nützen aber gar nichts, wenn die Technik selbst nicht genügt. Der aktuelle Heartbleed-Bug, ein simpler Programmierfehler in der Verschlüsselungssoftware OpenSSL, der ein Drittel aller Webserver weltweit betrifft, führt das gerade eindrucksvoll vor Augen. Der einfache Netzbewohner kann nichts tun, als auf Software-Aktualisieren zu warten - und erneut seine Passwörter zu ändern.

Universales Werkzeug

Die geheime Losung, die Zutritt verschafft, ist in der körperlosen, unübersichtlichen - und dank NSA nur mehr scheinbar anonymen - Welt des Internets zum Kulminationspunkt aller Bemühungen um Sicherheit und Personalisierung geworden. Früher ließen Erkennungswörter im Krieg Freund und Feind unterscheiden und gewährten Eingeweihten Zutritt zu illegalem Glücksspiel oder in geheime Trinkstuben. Gemeinsam mit der Kryptografie - die Verschlüsselung durch Codes war einst auch auf Papier gang und gäbe - wurde das Passwort zum universalen Werkzeug zum Einschließen digitaler Information.

Der geheimen Kommunikation, die sich von verschlüsselten Liebesbriefen und Kriegsdepechen auf den Einkauf von E-Books und Apps erweitert hat, sekundiert heute eine ganze Security-Industrie. Forscher hoffen, durch Quantenkryptografie oder Vermessung von Körpermerkmalen wie der Augen Datentresore einbruchsicher zu machen.

Die gegenwärtige Realität lautet allerdings 123456. Laut der Sicherheitsfirma Splashdata hat 123456 im Jahr 2013 die Zeichenfolge password als beliebtestes Passwort abgelöst. Abgesehen von der Vorhersehbarkeit wären derartige Passwörter schon allein aufgrund ihrer Kürze binnen Minuten zu knacken. Bei dG5%fdP9x$cR dauert es immerhin einige Millionen Jahre, bis ein leistungsstarker Computer alle Kombinationen im Zuge eines sogenannten Brute-Force-Angriffs durchprobiert hat. Für Datendiebe ist es da schon einfacher, vorhandene Sicherheitslücken zu nutzen - zum Beispiel den Heartbleed-Bug. (Alois Pumhösel, DER STANDARD, 12.4.2014)

  • Sonderlich kreativ sind die User nicht: 123456 ist das häufigste Passwort
    foto: apa/epa/julian stratenschulte

    Sonderlich kreativ sind die User nicht: 123456 ist das häufigste Passwort

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