Schillerplatz-Prozess: Das Glück der Tüchtigen

Kommentar11. April 2014, 23:38
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Illegales ließ sich beim Prozess rund um den Verkauf des Telekom-Palais nicht beweisen

Die effizienteste Verteidigung im Untreue-Prozess rund um den Verkauf des Telekom-Palais am Schillerplatz wurde nicht von hochbezahlten Rechtsanwälten bewerkstelligt, sondern vom Schicksal: Die beiden wichtigsten Akteure waren (und sind) aus gesundheitlichen Gründen verhandlungsunfähig. Sie konnten daher von den nun Freigesprochenen für fast jede Unregelmäßigkeit verantwortlich gemacht werden.

Den Rest erledigten Zufälle und Fügungen, an denen die clamorose Causa unerschöpflich reich erscheint. Der wohlfeile Kaufpreis von 5,4 Millionen Euro etwa war wie mit Superkleber festgeklebt, obwohl sich Risiken für die Käufer de facto nach und nach in Luft auflösten. Bieterprozess? Fehlanzeige. Die Käufer? Ein mit dem Telekom-Chef befreundeter Baumeister und der spätere ÖBB-Holding-Chef.

Nur Zufall kann es vor diesem Hintergrund gewesen sein, dass der vom ÖBB-Chef für die Planungen auf dem Dach ausgewählte Architekt wenig später mit wesentlichen Planungen für den Wiener Hauptbahnhof beauftragt wurde. Dass die Telekom just über ihrem wichtigsten Wählamt, das selbst die eigenen Techniker nur mit Sondergenehmigung betreten durften, Luxuswohnungen für Betriebsfremde errichten ließ, kann sowieso nur der Geschäftstüchtigkeit ihres Vorstands geschuldet sein.

Illegales ließ sich nicht beweisen. Und ein Glück muss man halt auch haben als tüchtiger Geschäftsmann. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 12.4.2014)

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