Gemeinsames Lernen im Internet

11. April 2014, 16:30
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An der FH Joanneum startet der erste offene Online-Kurs. Nicht nur die Teilnehmer sollen sich neues Wissen aneignen, auch die FH erhofft sich neue Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Hochschullehre

Am 22. April startet die FH Joanneum mit einem Experiment, und jeder kann daran teilnehmen. Unter dem Namen MOOCs ("massive open online courses") werden schon seit längerem - auch von namhaften Universitäten - kostenlose Lehrveranstaltungen im Internet angeboten. Mit "Competences for Global Collaboration" gibt es auch an der FH Joanneum die erste frei zugängliche Lehrveranstaltung im Netz.

Initiiert wurde dieser Online-Kurs von Jutta Pauschenwein, der Leiterin des Forschungsinstituts ZML - Innovative Lernszenarien. Sie selbst sei begeisterte MOOC-Lernende und beschäftige sich schon seit mehreren Jahren mit diesen Möglichkeiten, im Department of International Management an der FH Joanneum fand sie erste Verbündete, und gemeinsam wurde an dem Konzept gearbeitet.

"Wir vom ZML waren daran interessiert, diesen Kurs möglichst breit aufzustellen", sagt Pauschenwein. Aber es habe gedauert, bis das Konzept fertig war, denn "jeder hat ganz unterschiedlich Vorstellungen davon, was ein MOOC können soll", ergänzt sie.

Hohe Drop-Out-Rate

Inhaltlich befasst sich der sechs Wochen dauernde Kurs mit Fragen aus den Bereichen Wirtschaft, Recht, Kommunikation und Pädagogik. Jede Woche wird ein anderer fachlicher Schwerpunkt gesetzt, der von Experten und Gastvortragenden der Fachhochschule gestaltet wird.

So geht es in der ersten Woche um das Grundkonzept von MOOC und darum, wie gemeinsames Online-Lernen ausschaut. "Denn wenn man einen MOOC absolviert und aktiv mitarbeitet, ist das eine ganz neue Dimension des Lernens und Wissensaustauschs", sagt Pauschenwein.

Nach dem ersten Hype von MOOCs stehe derzeit die hohe Drop-out-Rate im Fokus, merkt sie an. Daher habe man sich bei der Konzeption auch für eine Mischform entschieden. Der Kurs steht für jeden offen. Wer teilnehmen wolle, müsse sich auch nicht registrieren. Zusätzlich werde es aber zwei geschlossene Gruppen auf Facebook und Google+ geben, sagt Pauschenwein. Zudem werde die Lehrveranstaltung von Mitarbeitern des ZML moderiert und laufend beobachtet. Damit sollen sich einerseits die Lernenden in der neuen Online-Umgebung möglichst wohlfühlen und zum Erfahrungsaustausch animiert werden. Und andererseits sollen daraus Erkenntnisse gezogen werden, welchen Stellenwert MOOCs für die Hochschullehre haben könnten und inwiefern sie zur Weiterentwicklung beitragen könnten, so Pauschwein weiter.

"Teilnehmer von MOOCs wählen ihre Kurse danach aus, worauf sie gerade Lust haben", sagt Pauschenwein. Eine mögliche Frage, die durch dieses Angebot ansatzweise geklärt werden solle, sei, wie und ob sich das Lernverhalten im Online-Kurs verändert, wenn dieser Teil des Pflichtprogramms von Studierenden sei. Studierende der FH Joanneum bekommen für den Kurs auch einen ECTS-Punkt. Alle anderen können ein Badge als Bestätigung erhalten. Im Moment haben sich bereits 200 Interessierte registriert. Bis 22. April ist die Anmeldung noch möglich. Gerechnet werde dann mit 500 registrierten Teilnehmern. (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, 12.4.2014)

Link: Mooc

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