Zukunftsträchtige Gesundheitsberufe: Abwehr von negativem Stress

11. April 2014, 16:35
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Psychosomatik-Know-how, Prävention, Gesundheitsmanagement gehören zu den "heißen" Bereichen

Sich einer Aus- und Weiterbildung im Gesundheitsbereich einer FH zu verschreiben heißt definitiv, sich in einem Jobfeld der Zukunft zu bewegen. Die zunehmenden psychosomatischen Störungen, das große Feld des Pflege- und Präventionsmanagements gehören dazu. Besonders im Fokus, weil durch volkswirtschaftliche Schadenrechnungen unterfüttert, stehen derzeit auch die psychosomatischen Belastungen und Störungen in Arbeitsumgebungen. Die Novelle des Arbeitnehmerschutzgesetzes, die Evaluierung der Belastungsfaktoren verlangt, spricht für die Massivität des Themas.

In einer Pressekonferenz verlangte die Österreichische Gesellschaft für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin (ÖGPPM) kürzlich wesentlich mehr Know-how und Betreuungsmöglichkeit.

Konkret beruft sich die Gesellschaft auf eine Studie der Med-Uni Graz und der Donau-Universität Krems, wonach 1500 zusätzliche Ärzte benötigt würden, die in psychosomatischer Medizin firm sind, also die Brücke zwischen physischer und psychischer Heilung kennen. Die ÖGPPM stellt sich eine dreijäh- rige Zusatzausbildung für absolvierte Mediziner vor, um diese Lücke zu schließen. So weit ein Vorschlag, der zeigt, dass mit zunehmender Brisanz des Themas "Erhalt der Leistungsfähigkeit" auch die Ausbildungswünsche wachsen. Betriebliche Gesundheitsförderung ist groß im Kommen.

Rückenwind durch europäische Gesundheitskampagnen

"Herkömmliche Führungs- und Personalmanagementmethoden werden den sich immer mehr verdichtenden Arbeitsanforderungen und den sich rasant verändernden Arbeitsplätzen nicht mehr gerecht. Unabhängig von der Unternehmensform, -größe und -branche ist die Erhaltung und Förderung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz der wesentliche Faktor für den Selbstwert der Mitarbeiter und trägt somit entscheidend zur Wertschöpfung und zum Unternehmenserfolg bei", so Brigitte John-Reiter, Geschäftsführerin der Österreichischen Akademie für Arbeitsmedizin und Prävention (AAMP), die ihrerseits nun einen neuen Universitätslehrgang "Präventions- und Gesundheitsmanagement im Unternehmen" anbietet.

Bestätigung und Rückenwind für FH-Studierende in Gesundheitsfächern kommt seit geraumer Zeit auch von den Gesundheitskampagnen der EU. Denn: Stress steht unter den in Europa gemeldeten Gesundheitsproblemen an zweiter Stelle.

Lange Arbeitszeiten und Mobbing

Bei einer von der EU-Gesundheitsagentur OSHA durchgeführten Meinungsumfrage in Europa gab mehr als die Hälfte der Angestellten an, dass arbeitsbedingter Stress an ihrem Arbeitsplatz häufig sei. Als Ursachen für arbeitsbedingten Stress wurden am häufigsten Arbeitsreorganisation und Unsicherheit des Arbeitsplatzes (rund sieben von zehn Befragten), lange Arbeitszeiten oder Arbeitsüberlastung und Mobbing und Belästigung am Arbeitsplatz (rund sechs von zehn Befragten) genannt. Die Umfrage ergab außerdem, dass rund vier von zehn Arbeitnehmern der Meinung sind, dass an ihrem Arbeitsplatz kein gutes Stressmanagement stattfinde.

Bei der umfangreicheren europäischen Unternehmenserhebung über neue und aufkommende Risiken äußerten rund acht von zehn Führungskräften ihre Besorgnis über arbeitsbedingten Stress an den Arbeitsplätzen ihres Unternehmens, wobei jedoch weniger als 30 Prozent angaben, Verfahren zum Umgang mit psychosozialen Risiken eingeführt zu haben.

Ein breites Aufgabenfeld also mit mannigfaltigen Chancen, wie Experten einhellig meinen - und das nicht nur "pro domo" für die von ihnen angebotenen Ausbildungen. (kbau, DER STANDARD, 12.4.2014)

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