"Bewerben Sie sich, trauen Sie sich!"

11. April 2014, 16:24
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Was muss der Nachwuchs in der Kommunikationsbranche können? Die gute Nachricht: Mut hilft. Ausbildung aber auch

Wien - Stelleninserate, die Praxis im Job plus Master-Abschluss plus alle nur formulierbaren sozialen Kompetenzen verlangen - wie kann, wie soll man da entsprechen? Der Druck, der auf den Studierenden lastet, wird im Auditorium massiv formuliert. Die klare Antwort - vor allem an Frauen: "Bewerben Sie sich, wenn Sie 45 bis 50 Prozent der ausgeschriebenen Anforderungen erfüllen."

Ausbildung, Weiterbildung, Jobanforderungen in der Kommunikation waren in der Vorwoche Thema einer Podiumsdiskussion an der FH Wien der WKW, veranstaltet mit der Fachgruppe Werbung. Frage: "Wie viel Ausbildung braucht die Kommunikationsbranche?"

Wissen als Macht, zitiert Sieglinde Martin, Institutsleiterin Marketing & Sales an der FH Wien, die eine zunehmende Akademisierung der Kommunikationsbranche in ihrer ganzen Vielfalt - von der PR, der klassischen Werbung und dem Sales bis zur Suchmaschinenoptimierung - feststellt. Dass Ausbildung einen immer wesentlicheren Stellenwert einnimmt, ist unwidersprochen. Auch die Güte der Ausbildung wird nicht bemängelt. Cooles ledigliches "learning on the job" punktet nicht mehr. Komplexität, rasante Veränderung - das mache permanente Offenheit für Neues (auch zertifiziert) einfach auch nötig. "Adaptiv" sein, sagt Agenturchef Rudi Kobza (Lowe GGK), sei da die angemessene Haltung im dauernden Wandel. Immerhin seien Konsumenten nunmehr selbst Medien.

"Brennen für die Aufgabe"

Und wie kann man in dieser Branche etwas werden? Christof Meixner, Head of Corporate Branding in der OMV, wünscht sich von den Jungen eine etwas weniger super-selbstbewusste Haltung (man könne ja eh schon alles). Kritisiert wurde mangelnde Fähigkeit, technisches Können in Kontexte zu stellen. Ob man da Junge nicht überfordere?

Es gehe um das Brennen für die Aufgabe, um die Leidenschaft, sagt Julia Labenz, Head of Marketing und PR bei den Trenkwalder Personaldiensten: Lernen, sich zu vernetzen, offen sein, Bereitschaft, sich zu transformieren, nennt sie als Karriereingredienzien.

Spezialgebiete erwünscht

Dass sich viele Kandidaten nicht einmal über das Zielunternehmen informieren, die Kampagnen der Agenturen nicht kennen, den Umsatz der OMV - einige dieser "Basics" wurden negativ ins Treffen geführt. Dass alle Firmen ihre Probleme mit dem anderen Wertekanon der jungen Generationen haben, wurde schnell deutlich: "Mein Leben ist mein Job" - dass dieses Motto für Junge, die Mangelberufe erfüllen können, nicht mehr gilt, damit kämpfen traditionelle Organisationen. Eins-zwei-drei-Geheimrezepte wurden dafür auch auf diesem Podium nicht gefunden.

Martin beruhigt auf die Frage der nötigen Degrees: Bologna sehe ja vor, nach dem Bachelor einmal zu arbeiten, den Master später zu machen. Meixner beunruhigt eher: Er wünscht sich Kommunikatoren, die auch Bilanzen lesen können, eine Ahnung von der Rechtsmaterie haben und in einem Spezialgebiet firm sind.

Die Diskussion über Anspruch und Wirklichkeit, über Belehrung der "Älteren" wollte nicht enden, die Studierenden dieser Fachhochschule zeigten sich generationenkritisch, wenngleich in höflicher Form. Rudi Kobza nimmt diesen Ball auf: Klar, mutig sein ist gut - man solle den Alten ruhig zeigen, was Sache ist. Dass gerade in Kommunikationsberufen die Entgrenzung, das Permanent-Arbeiten Thema ist, wurde wohl erwähnt, fiel letztlich aber unter den Titel Engagement.

Erfreulich für den Nachwuchs: große Präsenz auch der Standesvertreter in den Interessenorganisationen, die sehr genau und sehr gezielt nach Weiterentwicklungspotenzial auch ihrer Angebote forschten. (kbau, DER STANDARD, 12.4.2014)

  • In kaum einer anderen Branche wird der Wandel so sichtbar: Wie viel Ausbildung braucht die Kommunikationsbranche? Rudi Kobza (Lowe GGK), Julia Labenz (Trenkwalder), Sieglinde Martin (FH Wien) und Christof Meixner (OMV).
    foto: der standard/fischer

    In kaum einer anderen Branche wird der Wandel so sichtbar: Wie viel Ausbildung braucht die Kommunikationsbranche? Rudi Kobza (Lowe GGK), Julia Labenz (Trenkwalder), Sieglinde Martin (FH Wien) und Christof Meixner (OMV).

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