Stiefkind Fachhochschule?

Kommentar der anderen11. April 2014, 16:29
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Fachhochschulen haben den tertiären Bildungssektor positiv verändert - durch den Staat wurde das aber kaum belohnt

Wien - Die Schaffung der Fachhochschulen war in den letzten beiden Jahrzehnten mit Sicherheit der beste Schritt zum Ausbau des tertiären Bildungssystems in den letzten Jahren. Es wurden einem neuen Verständnis des Hochschulbereichs in verschiedenen Dimensionen Türen geöffnet: Studienplatzfinanzierung, Öffnung für bislang universitätsferne soziale Schichten, Praxisorientierung, aber auch gleichzeitig Durchlässigkeit gegenüber den Universitäten, weiters die Möglichkeit der Schaffung von Fachhochschulen aufgrund der eigenen Initiative und damit die Verringerung der Staatsabhängigkeit.

Eigentlich hat der Staat diese Initiative bislang sehr bescheiden gelohnt. Es ist eine Tatsache, dass die Absolventen der Fachhochschulen viel leichter eine berufliche Position finden, als jene der Universität, wobei natürlich anzuerkennen ist, dass es auch an den diversen Studienrichtungen liegt, die einen stärkeren Technik-, Wirtschafts- und Sozialbezug aufweisen. Die Fachhochschulen allein im Eck der Fachausbildung zu verorten wäre falsch, weil sie etwa auch im Sozialbereich einen ganz wesentlichen Anteil an der Gestaltung Österreichs haben.

Bislang ist der Impetus zum Ausbau der FHs äußerst bescheiden. Das mag an der budgetären Situation und am Hypo-Desaster liegen, aber auch vorher war der Wille nicht sehr stark. Wenn wir nun aufgrund einer Untersuchung registrieren müssen, dass 10.000 Hochqualifizierte pro Jahr ab-, hingegen 30.000 Ungelernte zuwandern, heißt das, dass wir gerade im Bereich der Qualifikation ein großes Defizit haben.

Viel diskutierte Standortfrage

Wirtschaftlich können wir aber nur dann bestehen, wenn wir bei den qualifizierten Fachkräften zulegen und damit dem Wirtschaftsstandort Österreich mehr Möglichkeiten eröffnen. Die Standortfrage wird von allen Seiten diskutiert, die Maßnahmen bleiben aber bislang bescheiden, besonders im Bildungsbereich. Dagegen werden verwunderliche Aktivitäten gesetzt wie etwa die Errichtung der Medizinischen Fakultät Linz, die aller Voraussicht nach den Medizinerbedarf in Deutschland und der Schweiz stärker abdecken wird als in Österreich.

Die stolze Mitteilung des Landeshauptmanns von Oberösterreich, dass sich nun sehr viele Studierende seines Landes angemeldet haben, sagt nichts über deren Verbleib aus. Wahrscheinlich kann das auch nur gesichert werden, wenn man über die Gebietskrankenkassen und mittels anderer Maßnahmen mehr Anreize zum Verbleiben schafft. Es muss festgehalten werden, dass der dringend benötigte Teuerungsausgleich bei den Fördersätzen des Studienplatzes offensichtlich bislang nicht möglich ist. Die Fördersätze wurden 1994 geschaffen, und es hat erstmals eine Anpassung 2009 gegeben, die mit 13,7 Prozent substanziell unter der verzeichneten Inflation geblieben ist.

Weitere sechs Jahre sind bislang die Fachhochschulen ohne weitere Abgeltung ausgekommen. Dass damit nicht unbedingt die Qualität besser wird, braucht nicht betont zu werden. Überflüssig, hinzuzufügen, dass zumindest dieser Ausgleich bei den Wahlen 2013 fix versprochen wurde, aber trotz Verankerung im Regierungsprogramm nicht in Sicht ist. Vom für die Legislaturperiode 2013 bis 2018 veranschlagten Gesamtpaket für die Wissenschaft in der Höhe von 1,6 Milliarden sind derzeit nur 62 Millionen (das sind 3,8 Prozent) für die Fachhochschulen vorgesehen. Diese sorgen aber für mehr als 40 Prozent aller Studienabschlüsse im Bereich von Wirtschaft und Technik und die Nachfrage betreffend braucht man sich keine Sorgen zu machen. Der Ausbau der FHs im Sinne einer Verbindung des regionalen Angebots, aber auch nach Fachrichtungen, wäre dringend geboten. Perspektive gegenwärtig gleich null.

Mit der Verankerung der Wissenschaft im Wirtschaftsministerium und der gemeinsamen Gestaltung sind Hoffnungen verbunden, auf deren Einlösung wir dringend warten müssen. Es wäre außerdem ein Anlass, auch die Universitäten dahingehend zu untersuchen, welche Studienrichtungen besser in Fachhochschulen zu Hause wären, was offensichtlich der Effizienz der Studienabwicklung selber hilft. Dass wir leider eine spezifische Akademikerarbeitslosigkeit haben, wird überhaupt nicht erörtert.

Dass die Wissenschaft generell im Hinblick auf die budgetäre Situation besorgt ist, ist nicht nur verständlich, sondern auch dringend notwendig. Aber auch den Universitäten sollte klar sein, dass allein das Abstellen auf ihren Bereich zu wenig ist, wobei damit nicht eine Konkurrenz geschaffen werden sollte, sondern ein gemeinsames Vorgehen, weil naturgemäß eine gewisse Bedingtheit zwischen den Einrichtungen herrscht. Es wäre daher ein Gipfelgespräch dazu dringend erforderlich; wenn man ein solches schon in Betreff der Sammlung Essl zustande bringt, sollte es bei den Fachhochschulen noch viel eher möglich sein. Von den jahrelangen Versprechungen kann man nicht leben! (Erhard Busek, DER STANDARD, 12.4.2014)

Erhard Busek,

geb. 1941 in Wien, hatte zahlreiche politische Funktionen in Österreich inne, von 2004 bis 2011 war er Rektor der FH Salzburg. Heute engagiert er sich besonders für den südosteuropäischen Raum.

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