Handgranatenmord: Tat war ursprünglich in Salzburg geplant

11. April 2014, 15:09
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Rohrbomben-Anschlag erschien Kristijan H. zu riskant - Vater des 34-Jährigen soll Granate in Kroatien besorgt haben

Nach dem Handgranatenmord, bei dem in der Nacht auf den 11. Jänner in der Odoakergasse in Wien-Ottakring zwei Menschen getötet wurden, sind am Freitag weitere Details bekannt geworden. Kristijan H. soll nach einer Festnahme am 3. April zugegeben haben, das Attentat auf Zlatko N. von langer Hand geplant zu haben. Ursprünglich hätte der Anschlag in Salzburg stattfinden sollen.

Auch der Vater des 34-Jährigen dürfte eine nicht unwesentliche Rolle gespielt haben: Er soll die Granate besorgt haben und beim Verschwindenlassen der Pistole, mit der Zlatko N. erschossen wurde, dabei gewesen sein.

Tatort sollte ablenken

Weil der in der Nähe der Stadt Salzburg wohnhafte Kristijan N. befürchtet haben soll, man könnte bei der Suche nach dem Täter auf ihn kommen, soll er den Tatort nach Wien verlegt haben, wo seine Schwester lebt. Die 42-Jährige, die sich als mögliche Beitragstäterin ebenfalls in U-Haft befindet, dürfte mehr in das Geschehen verstrickt gewesen sein, als sie bisher zugegeben hat. Die Frau, die von den Plänen ihres Bruders nichts gewusst haben will, soll in ihrer Wohnung für diesen eine Sporttasche mit einer Kalaschnikow aufbewahrt haben. Außerdem reservierte sie dem aktuellen Ermittlungsstand zufolge für den Drittbeschuldigten Dejan V. (29) unter einem falschen Namen ein Zimmer im Nobelhotel Hansen Kempinski in der Wiener Innenstadt.

Weshalb Dejan V. eigens nach Wien reiste, sich in die Odoakergasse begab und bei der Explosion anwesend war - er wurde dabei selbst verletzt, weil er sich nicht weit genug vom Auto entfernt hatte -, ist derzeit unklar. Der gebürtige Serbe hat gegenüber der Polizei behauptet, er sei aus langjähriger Freundschaft zu Kristijan H. mitgekommen, der seine Hilfe erbeten habe. Er habe aber nicht gewusst, worauf er sich dabei einließ. Kristijan J. soll allerdings in einer von bisher drei polizeilichen Einvernahmen den 29-Jährigen belastet haben.

Waffen in der Donau versenkt

Die Handgranate, die laut gerichtsmedizinischem Gutachten den Beifahrer von Zlatko N., Waldemar W., das Leben gekostet hat, soll der Vater von Kristijan H. in Kroatien besorgt haben. Kristijan H., der selbst aus Kroatien stammt, soll ursprünglich die Absicht gehabt haben, Zlatko N. mit einer selbst gebastelten Fünf-Kilo-Rohrbombe zu töten, die am vergangenen Freitag in einem Kellerabteil in Wien-Landstraße sichergestellt wurde. Davon soll er abgekommen sein, weil er befürchtete, die Wirkung der Bombenexplosion könnte auch unbeteiligte, zufällig in der Nähe befindliche Passanten verletzen.

Zlatko N. soll mit Kristijan H. in großem Stil zwielichtige Geschäfte mit unversteuertem Diesel abgewickelt haben und diesen immer stärker unter Druck gesetzt haben, weil ihm der Kristijan H. angeblich einen sechsstelligen Eurobetrag schuldete. Nicht nur beim Besorgen der Granate soll Kristijan H. von seinem Vater Hilfe erhalten haben: Dieser war laut Aussage des 34-Jährigen auch dabei, als sich Kristijan H. mit der Smith & Wesson, mit der er drei tödliche Schüsse auf Zlatko N. abgegeben haben soll, und der Kalaschnikow auf die Brigittenauer Brücke begab und die Waffen dort in der Donau versenkte.

Haftfrage bei Vater ungeklärt

Ob der Vater als möglicher Beitragstäter und somit als Tatverdächtiger gilt, hat sich am Freitagnachmittag nicht klären lassen. Kristijan H. soll nach seiner Festnahme der Polizei gestanden haben, sein Vater habe ihm die Handgranate in Kroatien besorgt und ihm nach der Explosion beim Verschwindenlassen von Kalaschnikow und Smith & Wesson geholfen.

Die naheliegenden Fragen, ob und in welche Richtung gegen den Vater ermittelt wird und ob eine Festnahmeanordnung bzw. ein Haftbefehl erlassen wurde, konnte Polizeisprecher Thomas Keiblinger nicht beantworten. Er verwies an die Staatsanwaltschaft Wien, die beim derzeitigen Ermittlungsstand für derartige Anfragen zuständig sei.

"Die Frage eines Haftbefehls kann ich grundsätzlich nicht beantworten", sagte die Sprecherin der Anklagebehörde, Nina Bussek, auf APA-Anfrage. Im gegenständlichen Fall werde "umfangreich und in sämtliche Richtungen ermittelt".

DNA-Untersuchung

Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft eine DNA-Untersuchung der Granatenreste angeordnet, um festzustellen, ob sich dort genetische Spuren finden lassen. Auch weitere Beweismittel sollen auf DNA-Spuren und Fingerabdrücke untersucht werden. Noch vor Ostern sollen alle drei Verdächtigen erneut vernommen und mit den jüngsten Beweisergebnissen konfrontiert werden. (APA, 11.4.2014)

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