Salzburger Kriterien

11. April 2014, 17:06
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Nächste Messestation: Salzburg, wo (bis 21.4.) 39 Aussteller der Art & Antique ihre Köder für das Festspielpublikum ausgelegt haben

Kaum war die Standpräsentation im Leopold-Museum abgebaut und die Ware abtransportiert, begann bei einigen Teilnehmern der Sonntagabend vergangener Woche zu Ende gegangenen Art Austria neuerlich das große Packen. Wahlweise ging es zur Art Cologne (bis 14. 4.) oder Richtung Salzburg, wo die "Art & Antique Residenz" (bis 21. 4.) auf dem Programm steht. Die Galerie Ruberl entschied sich für Köln, Elisabeth und Klaus Thoman bespielen sowohl als auch.

Das Kunsthaus Wiesinger, die Galerie bei der Albertina, Kovacek Spiegelgasse und Lilly's Art schlugen an der Salzach ihr Lager auf. Das Sortiment wurde zumeist an diesen Standort und seine Klientel angepasst, auf Segmente, die - zumindest theoretisch - dem Gout des vorwiegend aus dem Ausland zugereisten Festspielpublikums entsprechen könnten.

Papageno, der Grottenolm

Über den redensartlichen Kamm geschoren muss der durchschnittliche Messebesucher angesichts der hiesigen Bandbreite einen überaus eklektischen Geschmack sein Eigen nennen. Dort, wo Aussteller - aus kaufmännischer Sicht verständlich - auf Schnellverkäufliches in Preisklassen von bis zu 5000 oder 7000 Euro setzen, mag - an internationalen Qualitätsmaßstäben orientiert - dann eben nicht alles auch das Prädikat "messewürdig" verdienen. Da wünscht man sich bisweilen dann spontan einen Kampfrichter herbei, der solches Sammelsurium wenn schon nicht juriert, dann wenigstens zähmt. Dagegen glänzen andere mit ihren Spezialgebieten souverän. Der Kunsthandel Giese & Schweiger etwa, dessen Auswahl an Gemälden des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sowohl Kenner als auch Schöngeister zu verführen befähigt ist: mit typischen "Gauermännern" (rd. 200.000 Euro je), die in malerischer und motivischer Güte auf einer internationalen Klaviatur spielen; oder mit Oskar Laskes Papageno-Komposition, dessen Hauptdarsteller einem grüngeschuppten Grottenolm gleicht.

Vis-à-vis fesselt ein Kinderporträt Franz von Defreggers aus dem Jahre 1878 (28.000). Es zeigt Pauline Hofmann, die nach ihrer Ausbildung an der königlich akademischen Hochschule in Berlin zu einer für die damalige Zeit sehr erfolgreichen Pianistin avancierte. Ihre Klavierabende im Hotel Bayerischer Hof in München waren jedenfalls legendär. Gegenüber lauert eine Entourage gotischer Heiligenfiguren bei Senger Bamberg, die in ihrer Güte ebenso den höchsten Maastricht-Kriterien entsprechen wie die mit Arbeiten auf Papier vertretenen deutschen Expressionisten bei Wienerroither & Kohlbacher. Christian Eduard Franke nicht zu vergessen, wo Blickfänge wie Kinderstühle (18./19. Jh.) französischer oder deutscher Provenienz flüchtig vom imposanten Heiligen Florian (um 1720, 64.000) aus der Werkstatt Meinrad Guggenbichlers abzulenken vermögen.

Sammler auf den Gebieten Jugendstil und Volkstümliches werden hier sowohl mit Gängigem als auch mit Rarem bedient. In letztere Kategorie fallen eine kolorierte Alabasterskulptur (Ver Sacrum, 1913) von Richard Teschner (25.000, Kunsthandel Kolhammer), die eindrucksvolle (rund 140 Figuren) Krippe aus der Tiroler Werkstatt Giner (250.000, Antiquitäten Wimberger) oder der museale Pagodenschrank, den Georg Praitwiser in seiner oberösterreichischen Werkstatt 1792 schuf (36.000, Kunsthandel Runge). (Olga Kronsteiner, Album, DER STANDARD, 12./13.4.2014)

Die Recherchereise wurde vom Messeveranstalter MAC Hoffmann unterstützt.

  • 1878 schuf Franz von Defregger das Kinderbildnis einer später berühmten Konzertpianistin, die ehedem auch mit den Berliner Philharmonikern spielte.
    foto: giese & schweiger

    1878 schuf Franz von Defregger das Kinderbildnis einer später berühmten Konzertpianistin, die ehedem auch mit den Berliner Philharmonikern spielte.

  • Den Entwurf zu "Erhebung" schuf Oskar Höfinger 1986, diese große Bronze entstand 2013 in einer Auflage von insgesamt sieben Exemplaren.
    foto: lilly’s art

    Den Entwurf zu "Erhebung" schuf Oskar Höfinger 1986, diese große Bronze entstand 2013 in einer Auflage von insgesamt sieben Exemplaren.

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