Präsident Maduro: "In Venezuela gibt es keinen Hunger"

11. April 2014, 14:33
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Erstmals Verhandlungen unter internationaler Vermittlung - Teile der Opposition boykottieren Gespräche

In Anwesenheit mehrerer südamerikanischer Außenminister haben am Donnerstagabend in Venezuela Gespräche zwischen der Regierung und einem Teil der Opposition begonnen. Zu Beginn der Verhandlungsrunde wurde ein Schreiben des argentinischen Papstes Franziskus verlesen, in dem dieser beide Seiten zur Überwindung des Konflikts und der Polarisierung aufruft.

Präsident Nicolas Maduro erklärte, das auf allen Fernsehkanälen übertragene Treffen stelle lediglich den Anfang eines langen Weges dar, und warnte vor unrealistischen Erwartungen: "Wir wollen keinen Pakt abschließen, sondern suchen lediglich ein Modell der friedlichen Koexistenz." Erstmals nahm mit Henriqe Capriles ein hochrangiger Politiker des Oppostitionsbündnisses MUD (Vereinigter Demokratischer Tisch) die Einladung des Präsidenten zu Verhandlungen über eine Beendigung der Proteste an.

Oppostition uneins

Capriles wurde dafür von radikaleren Teilen der Oppsition, die einen sofortigen Rücktritt des erst 2013 zum Präsidenten gewählen Maduro verlangen, heftig kritisiert. Aber auch sein Gegenüber am Verhandlungstisch, Parlamentspräsident Diosdado Cabello, war über seine Teilnahme nicht erfreut und bezeichnete ihn während der Verhandlung auf Twitter als "faschistischen Mörder":

Bei Auseinandersetzungen zwischen Oppositionellen, Sicherheitskräften und Regierungsanhängern sind seit Mitte Februar rund 40 Menschen ums Leben gekommen. Die Proteste richten sich hauptsächlich gegen Versorgungsengpässe und die schlechte Sicherheitslage. Bei der Verhandlung am Donnerstag argumentierte Oppositionsvertreter Andrés Velásquez, "fast alle Venezolaner" litten, "weil das Geld nicht ausreicht und uns der Hunger umbringt, genauso wie die Gewalt, die ungesühnt bleibt. Es gibt keine Milch für die Säuglinge, es gibt kein Öl, weder für das Essen noch für den Motor."

Präsident Maduro konterte, laut Statistiken internationaler Hilfsorganisationen sei Venezuela vorbildlich bei der Hungerbekämpfung. Er forderte die Opposition auf, ihm einen Venezolaner zu zeigen, der ohne Essen zu Bett gehen müsse, und verwies darauf, dass Übergewicht ein immer größeres Problem darstelle. Laut Daten der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahr 2012 sind weniger als fünf Prozent der Venezolaner unterernährt, das Land liegt damit im südamerikanischen Durchschnitt.

Die Sitzung dauerte bis fast 2 Uhr morgens. Nach Abschluss der Gespräche meinte der oppositionelle Gouverneur Liborio Guarulla, Fortschritte würden wohl nicht über Nacht zu erzielen sein, die Wirschaft werde sich wohl nicht "bis morgen erholen". Es sei aber zumindest gelungen, gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten. Die nächste Gesprächsrunde ist für Dienstag anberaumt. (bed, derstandard.at, 11.4.2014)

  • "Es gibt kein Öl, weder für das Essen noch für den Motor": Antiregierungsprotest in Caracas.
    foto: epa/miguel gutierrez

    "Es gibt kein Öl, weder für das Essen noch für den Motor": Antiregierungsprotest in Caracas.

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