Ostukraine: Tote und Verletzte bei Kämpfen zwischen Polizei und Separatisten

13. April 2014, 11:33
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Kiew kündigte zuvor "Anti-Terror-Einsatz" gegen prorussische Bewaffnete in Slawjansk an - USA drohen Russland mit weiteren Konsequenzen

Kiew/Brüssel - Die Spannungen im Osten der Ukraine sind in blutige Gewalt umgeschlagen. Bei einem Polizeieinsatz gegen pro-russische Gruppen in der Stadt Slawjansk wurden nach Angaben von Innenminister Arsen Awakow vom Sonntag ein Geheimdienstagent und mehrere prorussische Milizionäre getötet. Zudem gab es mehrere Verletzte.

Awakow warf den "Separatisten" vor, Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Er ordnete Sonntag früh einen "Anti-Terror-Einsatz" an, nachdem am Vortag bewaffnete prorussische Gruppen in Slawjansk Gebäude von Polizei und Geheimdienst besetzt hatten. Wie ein AFP-Reporter berichtete, war das umkämpfte Polizeikommissariat der Stadt zu Mittag weiterhin in der Hand pro-russischer Kräfte. Hubschrauber kreisten im Tiefflug über der Stadt, Bewohner bewachten die rund um das Kommissariat errichteten Barrikaden. Awakow warf den Milizen vor, Zivilisten als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. An einer Zufahrtsstraße nach Slawjansk errichteten Milizionäre eine Straßensperre.

Slawjansk in der Ostukraine:


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Die 100.000-Einwohner-Stadt Slawjansk liegt rund 60 Kilometer von der Großstadt Donezk entfernt. Auch dort stürmten pro-russische Gruppen das Hauptquartier der Polizei. In Kramatorsk und Krasnyi Lyman gab es nach Attacken "bewaffneter Kämpfer" auf Verwaltungsgebäude Schusswechsel mit den Sicherheitskräften. In Krasnyi Lyman griffen Milizionäre laut Awakow die Polizei mit "AK100-Waffen russischer Herstellung" an, die es "nur bei den russischen Streitkräften" gebe. In Jenakijewo, dem Heimatort des entmachteten und nach Russland geflohenen Präsidenten Viktor Janukowitsch, brachten Separatisten am Sonntag mit Polizeizentrale und Stadtrat weitere Gebäude in ihre Gewalt. In Mariupol besetzten sie das Büro des Bürgermeisters.

USA drohen Russland

Awakow bezeichnete die Kämpfe im Osten der Ukraine als russischen "Akt der Aggression". US-Außenminister John Kerry drohte in einem Telefonat mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow mit "weiteren Konsequenzen", sollte Russland keine Schritte zur Deeskalation der Lage in der Ostukraine unternehmen und seine Truppen von der Grenze abziehen. Er sprach von "inszenierten und abgestimmten" Aktionen, die sich so ähnlich schon auf der Krim ereignet hätten.

Frankreich sprach sich für weitere Sanktionen gegen Russland im Falle einer "militärischen Eskalation" aus. Am Montag beraten die EU-Außenminister in Luxemburg erneut über die Ukraine-Krise.

NATO fordert Russland zum Rückzug auf

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon rief alle Seiten zu einem "konstruktiven Dialog" auf und zeigte sich beunruhigt über die zunehmende Gefahr gewaltsamer Zusammenstöße. Die Konfliktparteien sollten "größtmögliche Zurückhaltung" üben. NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen forderte Russland zum Abzug seiner "sehr zahlreichen" Truppen aus dem Grenzgebiet zur Ukraine auf. Jegliche militärische Einmischung Moskaus - "unter welchem Vorwand auch immer" - werde Russland international weiter isolieren, warnte Rasmussen.

Wegen der Spannungen in der Ostukraine wächst seit Tagen die Sorge vor einer russischen Invasion. Moskau hatte Kiew davor gewarnt, die Proteste pro-russischer Aktivisten gewaltsam niederzuschlagen. Nach Angaben der NATO hat Russland 40.000 Soldaten in der Nähe der russischen Grenze in der Ostukraine abgestellt. Moskau bestreitet dies.

Russland hatte sich im März die ukrainische Schwarzmeerhalbinsel Krim einverleibt, nachdem die mehrheitlich russischstämmige Bevölkerung in einem umstrittenen Referendum für den Beitritt zu Russland gestimmt hatte.

Biden reist nach Kiew

Am kommenden Donnerstag wird es in Genf einen neuen Versuch geben, die Krise mit diplomatischen Mitteln zu überwinden. Dort werden sich Kerry, Lawrow, die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton sowie der ukrainische Außenminister Andrej Deschtschyzja an einen Tisch setzen, um über Auswege zu beraten. US-Vizepräsident Joe Biden wird nach Ostern nach Kiew reisen, um die "starke Unterstützung" der USA für eine "vereinigte, demokratische Ukraine" zu unterstreichen. (APA, 13.4.2014)

 

  • Ein bewaffneter Mann vor dem besetzten Polizeiquartier in Slawjansk. In der ostukrainischen Stadt gibt es mittlerweile Tote und Verletzte.
    foto: ap photo/efrem lukatsky

    Ein bewaffneter Mann vor dem besetzten Polizeiquartier in Slawjansk. In der ostukrainischen Stadt gibt es mittlerweile Tote und Verletzte.

  • Artikelbild
    grafik: apa
  • Prorussische Demonstranten im besetzten Gebäude der Regionalverwaltung in Donezk.
    foto: epa/photomig

    Prorussische Demonstranten im besetzten Gebäude der Regionalverwaltung in Donezk.

  • Mitglieder der offiziell aufgelösten Polizei-Sondereinheit "Berkut" marschieren in Donezk in ihren Uniformen auf
    foto: ap/andrey basevich

    Mitglieder der offiziell aufgelösten Polizei-Sondereinheit "Berkut" marschieren in Donezk in ihren Uniformen auf

  • Vor der gestürmten Polizeistation errichteten die Demonstranten eine Barrikade
    foto: reuters/gleb garanich

    Vor der gestürmten Polizeistation errichteten die Demonstranten eine Barrikade

  • Prorussische Aktivisten besetzen eine Polizeistation in Slawiansk.
    foto: reuters/gleb garanich

    Prorussische Aktivisten besetzen eine Polizeistation in Slawiansk.

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