Warum brauchen wir ethische Maschinen?

Blog10. April 2014, 20:12
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Und was ist das überhaupt?

Was ist eigentlich die ethische Maschine? In Douglas Adams Science Fiction „Per Anhalter durch die Galaxis" kommen die Außerirdischen eines Tages zum Supercomputer Deep Thought. Deep Thought wurde gebaut, um die ultimative Frage nach dem Leben, dem Universum und einfach Allem zu beantworten. Nun, nach 7 ½ Millionen Jahren hat er endlich die Antwort gefunden. Diese lautet „42". Leider ist diese Antwort völlig unverständlich. Sie ist sinnlos, weil die Wesen, die Deep Thought ursprünglich aufgesetzt haben, eigentlich selbst nicht so genau wussten wie man denn genau die Frage nach dem Leben, dem Universum und einfach Allem zu stellen hat. So bitten die Außerirdischen Deep Thought, er möge Ihnen doch bitte die Frage ausrechnen; woraufhin Deep Thought ihnen sagt, dass könne er leider nicht. Er könne ihnen aber helfen eine andere Maschine zu bauen, die noch viel mächtiger sei als er selbst. Diese neue Maschine könnte dann letztlich die Frage nach dem Leben und dem Universum ermittelt. Die neue Maschine würde den Namen „Erde" tragen.

Eine Möglichkeit ist also, dass die Erde selbst die oder eine ethische Maschine ist. Sie ist das biologische System, an dessen Schöpfungsspitze der Mensch steht. Sie ist der biologische Supercomputer, der als Einziger die Fragen nach dem Leben, dem Universum und einfach Allem beantworten kann und in sich birgt. Sie ist als System so intelligent, dass sie den gegenwärtigen „Big Data" - und „Singularity" Hype müde belächelt und fragt, warum einige Cybernetik-Totalisten eigentlich an der Idee arbeiten, den Menschen ersetzen zu wollen, wo wir doch so ein wichtiger Bestandteil des Gesamtsystems sind?

„We will simply be outclassed"

Warum schreibt der Direktor des Product Engineering bei Google, Ray Kurzweil, dass der Mensch sein Herz nicht mehr brauche? „Although artificial hearts are beginning to be feasible replacements, a more effective approach will be to get rid of the heart altogether."* Warum erklärt er dass wir so ca. um 2030 herum eigentlich weitestgehend alle unsere Organe ersetzen (sollten?)? „Let's consider where we are, circa early 2030. We have eliminated the heart, lungs and white blood cells, platelets, pancreas, ..."* Und das ist nur der Anfang... Er rechnet uns vor, dass wir als Menschen nur eine Episode in der Evolutionsgeschichte seien und diese sei jetzt halt bald vorbei. „We will simply be outclassed" bestätigt Moravec**, ein Pionier der Robotik. Die Ethische Machine kann sich da nur die Frage stellen: Was soll das? Wird hier den Affen das Labor überlassen?

Leider müssen wir uns aber (zügig!) die Frage stellen, was wir solchen Plänen denn entgegenstellen können? Was haben wir an Visionen anzubieten, die die mächtige Innovationskraft der IT kanalisiert und den Wert aus ihr schöpft? Ich glaube, dass Die Ethische Maschine hier die Antwort geben kann. Ich vertrete in meinem Projekt Die Ethische Maschine die Überzeugung, dass der biologische Supercomputer Erde zerstört wäre, wenn der Mensch nicht mehr so dabei wäre, wie er jetzt biologisch ist. Es würde dann schlichtweg der Prozessor fehlen. Es würde ein nicht wieder zu schließender „Gap" entstehen. Wir würden die tatsächliche Intelligenz, die bereits da ist, nämlich uns selbst, aus Ungeduld vernichten, um sie mit einem lächerlichen 1/0 Denken zu ersetzen, das wir in eine GNR-Hülle gießen (GNR steht für Genetik, Nanotechnologie, Robotik).

Die Aufgabe ist NICHT, den Menschen abzuschaffen, sondern die Kraft unserer IT zu nutzen, um ihn besser zu verstehen und um ihn dann – vielleicht mit Hilf von IT - zu stärken. Und diese Stärkung entsteht nicht durch seine sukzessive Ersetzung, sondern – ganz im Gegenteil - in seiner Unterstützung. Unterstützung dahingehend, ihm oder ihr zu helfen über sich hinaus zu wachsen, die eigenen Werte besser zu leben, die eigenen Sinne und Körper zu stärken und die ihm gegebene natürliche Intelligenz zu erweitern. Dieses Projekt ist die ethische Maschine.

Wer mehr von der ethischen Maschine hören will, komme doch zu meinem Talk auf der re:publica in Berlin Anfang Mai. ((Sarah Spiekermann, derStandard.at, 10.04.2014)

*Ich empfehle wirklich Jedem, sich mit diesen öffentlich verfügbaren Visionen der Cybernetik-Totalisten (wie Jaron Lanier sie nennt) einmal gründlich auseinanderzusetzen und das Buch „The Singularity is Near" von Ray Kurzweil zu lesen; und zwar ganz genau; alle 600+ Seiten.

** Hans Moravec, „Mind Children: The Future of Robot and Human Intelligence"; http://www.amazon.de/Mind-Children-Future-Robot-Intelligence/dp/0674576187

Sarah Spiekermann ist Professorin an der Wirtschaftsuniversität Wien, wo sie dem Institut für BWL und Wirtschaftsinformatik vorsteht. Seit mehr als zehn Jahren lehrt und forscht sie zu sozialen Fragen der Internetökonomie und Technikgestaltung.

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  • Der "Per Anhalter durch die Galaxis"-Star
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