Gesundheitsfinanzen: Disput in Niederösterreich vertagt

10. April 2014, 18:40
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Land und Kasse haben sich in St. Pölten auf einen Vertrag geeinigt. Wirklich heikle Fragen müssen aber von Fall zu Fall geklärt werden

St. Pölten - Es brauchte eine Nachfrist der Nachfrist - aber nun sind die Gesundheitsverhandler in Niederösterreich doch auf einen grünen Zweig gekommen. Am Donnerstag präsentierten Finanzlandesrat Wolfgang Sobotka (VP) und der Obmann der Gebietskrankenkasse (NÖGKK), Gerhard Hutter, ihren Landeszielsteuerungsvertrag. Alle anderen Länder hatten ihn bereits bis Ende vergangenen Jahres ins Gesundheitsministerium geschickt, in Niederösterreich wurde zuletzt heftig herumverhandelt.

Patientenströme lenken

Dass es neue Versorgungsformen geben soll, die außerdem die Patientenströme besser lenken - weg aus den überlasteten Spitalsambulanzen, hin zu den niedergelassenen Ärzten - darüber herrscht zwischen Land und Kasse grundsätzlich schon lange Konsens. Offen blieb die Frage: Wer bezahlt, wenn etwa neue Ärztezentren eingerichtet werden? Sobotka hatte in den letzten Wochen mehrfach in Richtung NÖGKK gewettert. Nun hat man sich darauf geeinigt, sich vorerst nicht zu einigen. Wie konkrete Projekte finanziert werden, das werde man von Fall zu Fall entscheiden, betonten Sobotka und Hutter unisono - und zwar "nicht emotional, sondern aufgrund der Faktenlage" (Sobotka). Er fügte hinzu, er sei zwar kein Fan der dualen Finanzierung (in groben Zügen: Die Länder zahlen für die Spitäler, die Kassen für die Ärzte); aber man müsse halt "das Beste daraus machen".

Kassen-Direktor Jan Pazourek skizzierte, wie der Landeszielsteuerungsvertrag für den gemeinen Patienten spürbar werden könnte: Für Niederösterreich als Flächenbundesland sei es neben der verstärkten Kooperation von Ärzten und anderen Gesundheitsberufen an einem Standort auch wichtig, "virtuelle Zentren" zu schaffen. Sprich: In einem Sprengel müssen Hausärzte insgesamt eine bestimmte Stundenanzahl pro Woche offenhalten - auch an den Tagesrandzeiten, zu denen derzeit zu viele Patienten in die Ambulanzen strömen. Gleichzeitig sollen die Ärzte dazu angehalten werden, sich untereinander mehr auszutauschen. Konkret ist all das freilich noch mit der Ärztekammer auszuverhandeln.

Bei der Navigation durch das Gesundheitssystem sollen künftig Beratungshotlines helfen. Bis zur tatsächlichen Herstellung des "Best Point of Service" für jeden Patienten dürfte es aber noch eine Weile dauern, betonte Sobotka: "Es wird Jahre dauern, bis sich das alles eingespielt hat." Bis zum Sommer soll jedenfalls ein konkretes Arbeitsprogramm aus dem Landeszielsteuerungsvertrag abgeleitet werden. Damit befindet sich Niederösterreich nun wieder im zeitlichen Gleichklang mit den anderen Ländern. (Andrea Heigl, DER STANDARD, 11.4.2014)

  • Nun hat man sich auch in Niederösterreich einen Landeszielsteuerungsvertrag zusammengedoktert. Alle anderen Länder haben diesen schon 2013 abgegeben.
    foto: dapd

    Nun hat man sich auch in Niederösterreich einen Landeszielsteuerungsvertrag zusammengedoktert. Alle anderen Länder haben diesen schon 2013 abgegeben.

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