Athens Rückkehr in den Markt: Griechische Scheinwelt

Kommentar10. April 2014, 18:37
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Die Erholung findet nur an den Finanzmärkten statt

Wie schnell sich die Zeiten doch ändern. Vor zwei Jahren war sich halb Europa sicher, dass Griechenland die Eurozone verlassen wird. Das Land werde die Drachme wieder einführen und ins Chaos abgleiten: Das war das Zukunftsszenario vieler Experten für das Mittelmeerland. Das Krisengerede ist verpufft. Athen kommt wieder billig an Kredite. Ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone ist etwa so wahrscheinlich, wie dass die Hypo für die Steuerzahler noch einen Gewinn abwirft.

Doch die Erholung findet nur an den Finanzmärkten statt. Weil die Leitzinsen niedrig sind, bringen viele klassische Investmentprodukte kaum noch Rendite. Anleger suchen daher verzweifelt nach lukrativen Finanzprodukten, selbst wenn das Risiko dabei hoch ist. Weil die Nachfrage nach gefährlichen Papieren groß ist, sinken die Risikoaufschläge so wie im Falle Griechenlands.

Von dieser Scheinwelt haben allerdings die Menschen wenig bis gar nichts. Jeder dritte Grieche ist arbeitslos. Das ist ein horrender Wert, der eher zur Depression der 1930er-Jahre denn ins 21. Jahrhundert passt. Das Land steckt in einer Deflation fest, die Wirtschaft hat eine horrende Rezession durchgemacht und stagniert nun.

Auch an den Finanzmärkten dürfte irgendwann das böse Erwachen kommen: Griechenlands Schulden sind heute mit 175 Prozent der Wirtschaftsleistung höher als je zuvor. Europa ist noch weit davon entfernt, über den Berg zu sein. (András Szigetvari, DER STANDARD, 11.4.2014)

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