Lohnverrechnung und Steuerrecht: Mit stumpfer Klinge durch den Regelwald

13. April 2014, 17:11
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Hunderte unterschiedliche Bestimmungen in der Lohnverrechnung und im Steuerrecht bringen Unternehmer ins Schwitzen

Wien - An hohe Abgaben und strikte Regulierungen haben sich heimische Unternehmer gewöhnt. Aber was Wirtschaftstreibende wirklich ärgert, sind bürokratische Bestimmungen, die niemandem etwas bringen und bloß Mehrkosten und -arbeit verursachen.

Bei einigen Themen bietet das Regierungsprogramm Grund zur Hoffnung. So sollen die vor einigen Jahren massiv verschärften Regeln für die Arbeitszeitaufzeichnung wieder etwas gelockert werden, etwa bei der Aufzeichnung von Ruhepausen.

Und bei der Lohnverrechnung, einem Reizthema für viele Unternehmer und Manager, verspricht die SP-VP-Koalition eine "weitgehende Harmonisierung der Bemessungsgrundlagen im ASVG und im EStG." Das heißt: Alle Entgelte und Zuschläge, die sozialversicherungspflichtig sind, sollen auch der Einkommenssteuer unterliegen - und umgekehrt. Denn derzeit gibt es zahlreiche Abweichungen zwischen den Abgabeformen, die historisch gewachsen sind, sagt Peter Bartos, Geschäftsführer der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO Austria.

Im Programm ist auch von einer Vereinheitlichung des Verfahrensrechts im Sozialversicherungsrecht (ASVG) und der Bundesabgabenordnung die Rede. Auch das würde Unternehmer entlasten, sagt Bartos, "und es kostet den Staat nichts. Im Gegenteil: Es macht auch die Behördenarbeit leichter." Allerdings dürften Änderungen noch eine Zeitlang auf sich warten lassen. Denn erst soll eine Expertengruppe eingesetzt werden.

Einheitliche Abgabe

Das Ergebnis, auf das viele Experten hoffen, wäre eine einheitliche Lohnabgabe an eine Behörde, die alles prüft und die Gelder dann weiterreicht. Denn derzeit müssten sich Unternehmer mit Finanzamt und Sozialversicherung herumschlagen. "Dadurch wird es immer schwieriger, Leute zu finden, die von der Lohnverrechnung eine Ahnung haben", sagt David Gloser, Geschäftsführer der Treuhandgesellschaft Ecovis.

Versprochen wurde die Abschaffung der Gesellschaftssteuer, die die Zufuhr von Eigenkapital mit einem Prozent der Summe belastet - aber erst 2016. "Das versteht niemand, warum wir das haben", sagt Gloser. Keine Chance aber sieht er bei den international völlig unüblichen Vertragserrichtungsgebühren, die große Konzerne zwar durch Tricks vermeiden können, die kleinen aber kaum.

Für Gloser brächte auch eine Vereinheitlichung der Unternehmens- und der Steuerbilanz einen Fortschritt. Derzeit werden Pkws in der Praxis über vier oder fünf Jahre abgeschrieben, in der Steuerbilanz aber müssen es acht Jahre sein.

Bartos würde sich auch eine radikale Reduktion der Beitragsgruppen zur Sozialversicherung wünschen, von denen es derzeit 141 gibt - oft mit ganz geringen Abweichungen bei den SV-Beiträgen. Das ideale Modell würde nur noch drei Gruppen vorsehen, meint Bartos: AK-Mitglieder, Nicht-AK-Mitglieder und Pensionisten.

Von einer Zusammenlegung der neun Gebietskrankenkassen traut sich Bartos kaum zu träumen. Aber auch das würde gerade Unternehmen, die in mehreren Bundesländern Betriebsstätten haben, viel bringen, "Derzeit muss man die Meldungen bei verschiedenen Krankenkassen abgeben. Die Prüfungen, die Bescheide, das Haftungspotenzial bei Fehlern ist überall anders."

Viel versprechen sich Experten auch von einer echten Steuerreform, die das Steuerrecht entmüllt. "Überstundenzuschläge, Taggelder, der halbe Sachbezug beim firmeneigenen Pkw - überall gibt es Ausnahmeregelungen, die alles sehr komplex machen", klagt Bartos. "Es gibt unterschiedliche Bemessungsgrundlagen für die Kommunalsteuer und den Familienlastenausgleichsfonds. Wenn man das vereinfacht, würden dem Staat eine Million oder Milliarden verloren gehen. Aber jedes Unternehmen braucht Leute, die sich mit diesen Dingen beschäftigen. Und sie tragen das Risiko, dass sie irgendetwas übersehen."

Kosmetische Veränderungen

Zwei Vereinfachungen hat die Regierung in jüngster Zeit geboten: Bei Firmenbucheintragungen entfällt die Gebühr bei Umsätzen unter 70.000 Euro; und die Grenze für Kleinbetragsrechnungen, auf denen kein Empfänger stehen muss, wurde von 150 auf 400 Euro erhöht. "Das ist wirklich nur Kosmetik", sagt Bartos. (Eric Frey, DER STANDARD, 11.4.2014)

  • In österreichischen Ämtern stapeln sich unzählige Akten, von denen viele bei mehr Bürokratieabbau verzichtbar wären.
    foto: dpa/pilick

    In österreichischen Ämtern stapeln sich unzählige Akten, von denen viele bei mehr Bürokratieabbau verzichtbar wären.

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