GmbH light: "Globuli" für Betriebsgründungen in Österreich

11. April 2014, 10:08
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Eine Entfesselung an Firmengründungen sei auch von der März-Reform der GmbH light nicht zu erwarten, mahnen Experten

Wien - Die von Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl erhoffte Entfesselung einer Gründerwelle dürfte auch mit der reformierten GmbH light nicht zu erwarten sein. Denn abgesehen von der Zehnjahresfrist, die Unternehmensgründern bis zur vollen Einzahlung des Stammkapitals von 10.000 Euro eingeräumt wird - bis dahin reichen 5000 Euro -, hat der Gesetzgeber nichts Entscheidendes verändert. Creditreform-Chef Gerhard Weinhofer hält die GmbH light daher "eher für ein politisches Signal, sozusagen Globuli für Gründungen".

Bei Haftung oder Risikostreuung, dem häufigsten Motiv für die Gründung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), habe sich nichts verringert, warnt Weinhofer. Auch Vorgründungskosten wie etwa Notariatsgebühren sind bei der GmbH light höher als bei der Einzelunternehmung.

Unternehmensgründer, die ihre persönliche Haftung begrenzen sollen, würden von der abgespeckten GmbH vermutlich enttäuscht. Denn in der Praxis sei es so, dass ein Bankkredit ohne persönliche Haftung des Geschäftsführers auch für eine GmbH nicht leichter zu bekommen sei. Wer pleitegeht, hängt in der Regel längst mit seinem persönlichen Vermögen drin. "Für einen Bankkredit hat der GmbH-Geschäftsführer in der Regel die persönliche Haftung", warnt Weinhofer.

Haftung minimieren

Die Haftung für Fremdfinanzierung lasse sich allerdings minimieren, hält Wirtschaftsprüfer Peter Bartos von BDO Austria dagegen, etwa durch eine Lebensversicherung, die mit dem Unternehmen vinkuliert wird, Bartos sieht die GmbH light nicht so pessimistisch. Ein Haftungsrisiko könne schließlich nicht allein aus Bankkrediten erwachsen, sondern auch aus Produktrisiken oder gegenüber Lieferanten. Diesbezüglich biete die GmbH light entscheidende Vorteile, das persönliche Risiko sei - im Gegensatz zu OHG oder Einzelunternehmen limitiert. Bartos: "Man haftet nicht für alles mit Haut und Haar."

Vor übertriebenen Hoffnungen warnt freilich auch Gläubigerschützer Hans-Georg Kantner vom KSV. Eine GmbH erzeuge laufende Kosten, ist bilanzierungspflichtig, und das koste mehr Geld als die Einnahmen- und Ausgabenrechnung des Einzelunternehmers. Und, nicht zu vergessen: Die Bilanz muss über einen Anhang mit Ausblick verfügen und ist im Firmenbuch zu veröffentlichen.

Nicht zu vergessen: Als Kapitalgesellschaft ist für die GmbH light jedenfalls die Mindest-Körperschaftssteuer (KöSt) abzuführen, auch wenn (noch) kein Gewinn erwirtschaftet wird, erläutert Steuerberater Bartos. Die Mindest-KöSt für die neu gegründete GmbH light beträgt in den ersten fünf Jahren ab Eintritt in die unbeschränkte Steuerpflicht pro Jahr 500 Euro (zahlbar in Raten von 125 Euro für jedes volle Kalendervierteljahr). In den folgenden fünf Jahren sind 1000 Euro pro Jahr fällig (für jedes volle Kalendervierteljahr 250 Euro). Das ist zwar weniger als die von "alten" GmbH abzuführenden 1750 Euro pro Jahr, kann für ein Jungunternehmen aber doch eine erhebliche Belastung darstellten.

Gründungsprivileg

So vorteilhaft die GmbH insbesondere für mehrere Geschäftspartner sein mag, die sich mittels Gesellschaftsvertrag aneinanderbinden, zu den vielfach unterschätzten Problemen gehören auch die Geschäftsführer-Gehälter. Der Einkommensteuersatz betrage automatisch 43 Prozent, bis 50.000 Euro Jahresgage schlage auch die volle Progression zu, mahnt der Wirtschaftsprüfer.

Die Aufbringung der bei der GmbH light in den Anfangsjahren gestundeten Stammeinlage ("Gründungsprivilegierung") erfolgt gemäß Gesellschaftervertrag. Nach dessen Schlüssel richtet sich im Insolvenzfall auch die Haftung. Hat ein Miteigentümer nach Ende des Gründungsprivilegs seine Einlage nicht über 5000 Euro erhöht, haftet er bei Zahlungsunfähigkeit der Firma für die Differenz auf 35.000 Euro.

Apropos Haftung: Dass Gläubiger und Lieferanten bei der GmbH light aufgrund der niedrigeren Stammeinlage leichter durch die Finger schauen, hält Bartos für überbewertet. Es gehe letztlich um eine Differenz von 12.000 Euro. "Die machen das Kraut im Insolvenzfall auch nicht fett."

Aber: Bei Zahlungen nach Eintritt einer materiellen Insolvenz haften Gründer und Geschäftsführer umfangreich und persönlich. Ein zeitgerechter Insolvenzantrag sei schon deshalb im ureigenen Interesse der Gesellschafter, sagt KSV-Mann Kantner, der bei der Disposition von GmbH-Firmenkonten zu besonderer Sorgfalt mahnt: "Vermischung von Firmen- und Privatgeld, das geht bei der GmbH gar nicht." Da sei man rasch im Bereich der Untreue. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 11.4.2014)

  • Bei der GmbH light muss jetzt weniger eingezahlt werden als früher. Ganz ohne Probleme bleibt das Modell - selbst nach der Reform der Reform - aber nicht.
    foto: ap / thomas kienzle

    Bei der GmbH light muss jetzt weniger eingezahlt werden als früher. Ganz ohne Probleme bleibt das Modell - selbst nach der Reform der Reform - aber nicht.

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