Haydnstadt Eisenstadt: Kapellmeisters Feenreich

11. April 2014, 09:17
2 Postings

Nicht nur das Haydnhaus lädt Haydnfreaks in die burgenländische Hauptstadt, sondern auch: Haydntage, Haydnsaal, Haydngarten, Haydngrab, Haydnbräu - und heuer auch die Haydnhymne

Eigentlich ist ja ganz Eisenstadt ein dem Joseph Haydn gewidmetes Museum. Jedenfalls wird Walter Reicher nicht müde zu betonen, wie einzigartig das kleine burgenländische Hauptstadterl diesbezüglich sei. Hier lasse sich, so der Intendant der weltweit bedeutendsten Haydn-Festspiele, der internationalen Haydntage, die im Herbst schon zum 26. Mal stattfinden, der große Komponist nicht nur besonders gut hören, nämlich im originalen Schlosssaal, wo Joseph Haydn selbst konzertierte. In Eisenstadt lasse sich, an den Originalschauplätzen, Haydn geradezu erleben.

Und da hat er schon recht. Es riecht gewissermaßen alles nach Joseph Haydn hier. Und ganz besonders tut es das, no na, in der Haydngasse, im Haydnhaus, wo der Maestro und sein Haushalt residiert haben, in Sichtweite zu seinem Arbeitsplatz, dem Eisenstädter Schloss.

Musikalische Livree

Fast 30 Jahre, von 1761 bis 1790, lebte Haydn in Eisenstadt, erst als "livrierter Musiker", bald aber schon als fürstlicher Kapellmeister. Und als solcher schrieb er quasi den Soundtrack zum "Esterházy'schen Feenreich", wie Goethe das auch für Barockverhältnisse absurd verschwenderische Esterházyen genannt hat. Paul Anton, dann Nikolaus I. waren die musikalisch sehr versierten, selbst auch tonsetzenden Regenten und Haydns Dienstherren. Letzteren, den Miklos, nennt man auch den "Prachtliebenden". Er hinterließ seinem Nachfolger Anton ein Budgetdefizit von gigantischen vier Millionen Gulden. Eine Zeche, die unter anderem die bereits sagenhaft gewordene Hofkapelle bezahlte. Die wurde 1790 aufgelöst, Joseph Haydn pensioniert. Das Haus Esterházy selbst war klarerweise too big to fail.

Zimmer, Kuchl, Kabinett

Die Esterházy'sche Prunksucht hat der Nachwelt immerhin einiges hinterlassen, das sich bis heute hält. Und Joseph Haydn, der den späten Barock in die neumodische "Wiener Klassik" hineinmusizierte und so zum Wegbereiter seines jungen Freundes Wolfgang Amadeus Mozart wurde, ist diesbezüglich wohl die wichtigste Erbschaft. Im Haydnhaus begegnet man dem Maestro sozusagen privat, auf Zimmer, Kuchl, Kabinett.

Ein kleines, aber sehr feines Museum ist hier entstanden. Das Wohnhaus der Haydns - sie, die Maria Anna Aloysia, ist uns als rechte Xanthippe überliefert worden - dient als ständiges Museum, im 1998 erworbenen Nachbarhaus finden jährlich wechselnde Sonderausstellungen statt.

Gott erhalte, Gott erhalt's

Heuer widmet sich diese einer kleinen, aber politisch hochbrisanten Komposition, auf die Haydn stets besonders stolz gewesen ist: das "Gott erhalte", das er sich zur Erbauung immer wieder selber vorgespielt hat. "Mir ist herzlich wohl, wenn ich es spiele, und noch eine Weile nachher." (Dem Besucher wird's nachher vielleicht auch sein, wenn er von der Haydngasse in die Pfarrgasse wechselt, ins Haydnbräu: Gott erhalt's nach dem ausgiebigen und eingehenden "Gott erhalte".)

Diese Auftragsarbeit wurde 1797 im Wiener Burgtheater uraufgeführt. Nach dem Vorbild des englischen "God save the king" und - mehr noch - als Waffe gegen die "Marseillaise" des Kriegsgegners Frankreich wurde die Kaiserhymne tatsächlich bald zu jener "Volkshymne", mit der Mitteleuropa vor 100 Jahren in den Krieg gezogen ist. Hugo von Hofmannsthal sang es auch im Krieg inbrünstig: "Ungeheueres umfaßt – Heut dies heilig Alte – Und so dringt's zum Himmel auf: – Unser Gott erhalte!" Hofmannsthal griff da auf Franz Grillparzer, der sich selbst erfolglos als Hymnendichter versucht hatte, zurück. Der seufzte tief im 19. Jahrhundert: "Als ich noch ein Knabe war – Rein und ohne Falte – Klang das Lied mir wunderbar – Jenes Gott erhalte".

Summ, summ, summ

Im Haydnhaus wird nicht bloß die Musik dieses Kaiserliedes erzählt, sondern auch sein sehr wechselvolles Schicksal quer durch die neuere Zeit. Nach dem 1841 entstandenen Text des Heinrich Hoffmann von Fallersleben ("Deutschland, Deutschland über alles") klang es der ganzen Welt kreischend in den Ohren, Heinrich Hoffmann war im Übrigen kein so schlechter Dichter. Seiner Feder entstammen immerhin Texte wie "Ein Männlein steht im Walde", "Alle Vögel sind schon da" und "Summ, summ, summ, Bienchen summ herum".

Kuchlgarten

Apropos Bienchen: Zum Haus der Familie Haydn gehörte auch ein Schrebergarten außerhalb der Mauern. Heute steht es im politischen Zentrum Eisenstadts, hinter der Bank Burgenland im Angesicht der Landesregierung. Garten und Gartenhäuschen aber sind fein hergerichtet worden. Im Garten wächst angeblich, was zu Haydns Zeit so an Kräutern und Pflanzen gewachsen ist.

Wer dann immer noch nicht genug hat von Joseph Haydn, muss vom Kuchlgartl quer durch die Stadt, vorbei am Schloss, zur Bergkirche, um sich dort im Mausoleum die Geschichte des armen, verschleppten Haydnschädels erzählen zu lassen. Der wurde nämlich erst 1954, also vor 60 Jahren, hier bestattet. (Wolfgang Weisgram, derStandard.at, 11.4.2014)

  • Von 1761 bis 1790 lebte Haydn in Eisenstadt.
    foto: apa/schloss esterhazy management

    Von 1761 bis 1790 lebte Haydn in Eisenstadt.

Share if you care.