Als der Floh zum Stehgeiger wurde

10. April 2014, 17:06
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Der FC Barcelona steht nach dem Scheitern im Viertelfinale der Champions League am Scheideweg. Die Kritik konzentriert sich auf Barças Superstar

Madrid/Wien - Nach der Demütigung von Madrid schlich Lionel Messi mit hängenden Schultern vom Feld. Übergeben musste sich der seit Monaten von einer rätselhaften Übelkeit geplagte Weltstar des FC Barcelona zwar diesmal nicht, die vernichtenden Schlagzeilen nach dem Scheitern der Katalanen bei Atlético Madrid dürften Messi dennoch aufstoßen. "Ein schwerfälliges Barça, das unter der Ineffektivität von Messi litt", schrieb die Tageszeitung "Sport" nach dem frühesten Ausscheiden des spanischen Meisters in der Königsklasse seit 2007.

Eine Karikatur

Reflexartig beschwor die italienische Sportbibel "La Gazzetta dello Sport" "das Ende der Barcelona-Ära" herauf. Ein fast schon dramatischer Befund vor dem Hintergrund, dass der Klub wegen der Verpflichtung minderjähriger Talente aus dem Ausland für zwei Wechselperioden keine Transfers tätigen darf. Dabei war die aktuelle Mannschaft nach Meinung von "El Mundo Deportivo" nur noch "eine Karikatur ihrer selbst", ein "altes Barça" ("El País"). Um Messis Hilflosigkeit an einem denkwürdigen Abend im Estadio Vicente Calderón zu dokumentieren, wurde auf dessen Laufleistung verwiesen. "La Pulga" (der Floh) legte insgesamt nur 1,5 Kilometer mehr zurück als sein Torhüter José Manuel Pinto - also 6,8 km.

Trainer Gerardo Martino versuchte seinen Star aus der Schusslinie zu nehmen. "Wir gewinnen und verlieren als Team. Es gibt ja schließlich auch noch andere als Leo." Wie wahr: Vor allem der Brasilianer Neymar, der neben Messi die besten Chancen vergab, entpuppt sich zunehmend als Fehlkauf. Martino zeigte sich überrascht von der Tatsache, dass sein Team auch nach dem frühen Rückstand durch Koke (5.) an die Wand gespielt wurde. "Da war ein großer Unterschied zwischen beiden Mannschaften zu sehen", sagte Messis Landsmann, auf den turbulente Tage zukommen.

Blickpunkt Copa

Denn der FC Barcelona kann bereits am Mittwoch den ersten großen Titel der Saison unter Dach und Fach bringen - im Finale der Copa del Rey wartet in Valencia der Erzrivale Real Madrid - wohl ohne den blessierten Cristiano Ronaldo. Und auch die Möglichkeit einer Revanche gegen Atlético könnte sich bieten - am letzten Spieltag der Primera División, wenn es im Camp Nou zu einem möglichen Endspiel um den Meistertitel kommt.(sid, red, DER STANDARD, 11.04.2014)

  • Lionel Messi steht betroffen herum. Im Spiel gegen Atlético Madrid lief er nicht viel mehr als Barcelonas Torhüter.
    foto: reuters/medina

    Lionel Messi steht betroffen herum. Im Spiel gegen Atlético Madrid lief er nicht viel mehr als Barcelonas Torhüter.

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