Drei Säulen und eine Lücke

10. April 2014, 18:11
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Die Nachhaltigkeit der staatlichen Pension ist fraglich. Möglichkeiten der Privatvorsorge

Drei Säulen | Staatlich gefördert | Private Zuzahlung | Vorsorgewohnung | Fonds | Versicherung

Foto: dapd/Joerg Koch

Wien - Es sind drei Säulen, auf denen das Pensionssystem in Österreich steht. Die staatliche Pension (Umlageverfahren), die betriebliche Vorsorge und die private Zusatzpension. Je nachdem, welche Experten man befragt, wackelt immer eine dieser Säulen.

Es gibt aber einige Punkte, die die Annahme zulassen, dass es für den Staat künftig schwieriger werden wird, das Umlageverfahren aufrechtzuerhalten:

  • Nachwuchs: Die Geburtenrate liegt in Österreich bei 1,44 Kindern. An diesem Niveau hat sich in den letzten 25 Jahren kaum etwas geändert. Es kommen deutlich weniger potenzielle Beitragszahler in das System, die die Pensionen für eine weit größere Anzahl von Menschen finanzieren sollen.
  • Arbeitsmarkt: Weil weniger Kinder geboren werden, droht der Arbeitsmarkt zu kippen. Im Jahr 1980 kamen noch um 63.532 mehr Menschen in den Arbeitsmarkt, als diesen verlassen haben. Das ist nicht mehr der Fall. In der Phase 2014 bis 2016 werden knapp 10.000 Menschen mehr den Arbeitsmarkt verlassen, als überhaupt neu hinzukommen.
  • Alter: Die Lebenserwartung steigt. Ein 1972 geborener Mann hatte damals eine Lebenserwartung von 67 Jahren. 2012 geborene Männer werden im Schnitt 78 Jahre alt. Eine 1972 geborene Frau hatte damals eine Lebenserwartung von 74 Jahren, 2012 lag sie bei 83 Jahren, zeigen Daten der Statistik Austria. Die Zeit der Pension wird also länger.
  • Alter II: Zum Thema alternde Gesellschaft gibt es viele Zahlenspiele: Männer, die 1972 bereits 60 Jahre waren, hatten damals noch eine Lebenserwartung von 15 Jahren - heute sind es knapp 22 Jahre. Hatten 60-jährige Frauen 1972 noch eine Lebenserwartung von rund 19 Jahren, so waren es 2012 bereits 25 Jahre. Bei Umfragen zeigt sich, dass es unterschätzt wird, wie lange jemand in Pension sein kann und für welchen Zeitraum sie finanziert werden muss.
  • Staatshaushalt: Die Staatsverschuldung hat in den vergangenen Jahrzehnten - bis auf wenige Jahre - stetig zugenommen. 1982 lag sie bei 39,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP); im Vorjahr bei 75,4 Prozent des BIP. Da wirken sich freilich nicht nur die gestiegenen Kosten auf das staatliche Pensionsystem aus. Dass das aber ein stark wachsender Bereich ist, zeigen auch die Bundesbeiträge für das Pensionssystem. 2007 flossen 6,3 Milliarden der Steuermittel in die staatliche Pension. 2012 waren es bereits 8,7 Milliarden Euro, zeigen Daten vom Rechnungshof. Innerhalb von fünf Jahren sind diese Ausgaben um etwas mehr als ein Drittel gestiegen.

Betrachtet man nur solche Zahlenspiele, könnte man glauben, die Österreicher dürsten geradezu nach privater Zusatzvorsorge. Das ist aber nicht der Fall. Das Thema verankert sich zwar in den Köpfen, letztlich bleiben viele aber skeptisch. Und das, obwohl drei Viertel der Österreicher laut einer Allianz-Umfrage glauben, dass sie später nur eine geringe oder gar keine Pension vom Staat erwarten können.

Karl Blecha (SP) vom Pensionistenverband lässt das Gerede um die wackelnde erste Säule nicht gelten. "Jeder wird vom Staat eine Pension erhalten", sagt er zum STANDARD. Die Höhe hänge freilich davon ab, was im Laufe des Lebens einbezahlt wurde. Dass es Veränderungen in der Altersstruktur gibt, ist laut Blecha "bereits eingepreist". Bei der Finanzierung der staatlichen Pension gebe es zudem noch Luft nach oben, weil der Bund von seinem gesetzlich festgelegten Zuschuss in der Höhe eines Drittels der Kosten "noch weit entfernt" ist. Dennoch gehörte das faktische Pensionsantrittsalter erhöht, weil die Leute im Alter heute leistungsfähiger seien.

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