Niesen schickt Krankheitserreger auf eine weite Reise

10. April 2014, 17:45
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Forscher analysierten turbulente Tröpfchen-Wolke - Wenige Mikrometer kleine Tröpfchen fliegen 200 Mal weiter als bisher gedacht

Cambridge – Beim Niesen seien  „Windgeschwindigkeiten" im Spiel, die selbst an jene von Tornados heran reichen – so zumindest lautete lange Zeit die Lehrmeinung. Eine Studie aus dem Vorjahr konnte diesen Irrglauben mittlerweile ins Reich der medizinischen Märchen verbannen. Dafür zeigte eine  neue Untersuchung, dass sich die beim Niesen entstehende Tröpfchen-Wolke – und damit auch die mitreisende Keimlast – um ein Vielfaches weiter im Raum verteilt als man bisher für möglich hielt.

US-Forscher vom MIT (Massachusetts Institute of Technology) in Cambridge, Massachusetts, haben die Abläufe während des Niesens mit Hilfe von Hochgeschwindigkeitskameras und Laborsimulationen detailliert unter die Lupe genommen. Was sie beobachten konnten, widerlegt frühere Untersuchungen, bei denen nur das Verhalten der größeren, sichtbaren Tröpfchen analysiert wurde.


Video: Die Hochgeschwindigkeitsaufnahmen zeigen, wie weit die Tröpfchenwolke tatsächlich durch den Raum fliegt (Quelle: Youtube/MIT).

Turbulente Gaswolke

Tatsächlich spielt eine turbulente Gaswolke aus kleinsten Teilchen eine buchstäblich weitreichendere Rolle: Wie die Forscher um John Bush im Journal of Fluid Mechanics schreiben, sinken größere Tröpfchen in dieser Wolke durch ihr Gewicht rasch ab, während die winzigen, unsichtbaren Bestandteile von chaotischen Strömungen weiter getragen werden – Tröpfchen von zehn Mikrometern Größe sogar 200 Mal so weit. Die Berechnungen ergaben, dass Partikel von 50 Mikrometern Größe einige Meter reisen, weit genug also, um das Ventilationssystem eines Raumes zu erreichen.

Dementsprechend können sich auch Krankheitserreger schneller verteilen als gedacht. Die Wissenschafter glauben, dass ihre Ergenisse künftig bei der Planung von Belüftungssystemen in Gebäuden und Flugzeugen berücksichtigt werden könnten. (tberg, DER STANDARD, 11.04.2014)

  • Nicht ganz so schnell wie früher gedacht, dafür aber um so weiter reist die Wolke aus größeren und winzigen Tröpfchen nach dem Niesen.
    screenshot: mit/youtube

    Nicht ganz so schnell wie früher gedacht, dafür aber um so weiter reist die Wolke aus größeren und winzigen Tröpfchen nach dem Niesen.

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