Die Liebe, eine Drecksau

10. April 2014, 18:02
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Unterhaltsam: "Die Kameliendame" als rosarote Abrechnung mit Liebe und Oper in der Black Box des Linzer Musiktheaters

 Linz - Seit drei Jahren ist Philip Krückemeier als Regieassistent tätig, mit Die Kameliendame feiert er nicht nur sein Regiedebüt, sondern auch sein erstes Auftreten als Librettist. Und dieser Text ist fordernd: Anna Eger führt als Erzählerin durch die Vorlage von Alexandre Dumas d. J., bleibt mit der Stimme betont unbetont, fast gelangweilt, wenn sie in bemerkenswertem Stakkato neben dem Handlungsverlauf theoretische Abhandlungen und Interpretationsmöglichkeiten zu Dumas und dem Genre Oper von sich gibt.

Unterteilt in insgesamt 29 Passagen - "Arien" und Intermezzi mit Titeln wie Ich leide, Was kann die Liebe doch für eine Drecksau sein! oder Ja, verdammt! Ich brauche Geld -, bleibt diese musikalische Bearbeitung (mit Remixes von Dennis Le Rose und Björn Büchner, der als DJ auch auf der Bühne steht) größtenteils kurzweilig. Hin und wieder aber schleppt sie sich durch dramaturgische Leerläufe: etwa wenn Büchner eine herzförmige Pralinenschachtel holen und dafür den Spielort verlassen muss.

Joachim Rathke und Eva-Maria Aichner lavieren sich als verliebter Freier und tuberkulöse Prostituierte allerdings ausgesprochen komisch durch Krückemeiers Singspiel. Aichner als blutspuckende Marguerite in einem Plastikkleid, das an eine verblühende Kamelie erinnert, und Rathke (Armand) als ältlicher, naiver Alain-Delon-Verschnitt sind glaubwürdig selbstironisch.

Ebenso Anna Eger, die sogar eine "Mitmachtheatereinlage" ohne Fremdschämgefährdung meistert. Durchwegs unterhaltsame 80 Minuten, die vor allem dadurch glänzen, dass Rathke und Aichner mit offensichtlicher Freude ihrer Absicht nachgehen, im Scheitern und in der Komik Würde zu finden. (Wiltrud Hackl, DER STANDARD, 11.4.2014)

  • Freude am Scheitern: Joachim Rathke, Eva-Maria Aichner und Anna Eger in "Die Kameliendame". 
    foto: christian brachwitz

    Freude am Scheitern: Joachim Rathke, Eva-Maria Aichner und Anna Eger in "Die Kameliendame". 

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