Mariahilfer Straße: Tüfteln an Querungen und rosa Blümchen für Radler

10. April 2014, 14:51
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Stadt startet Verteilaktionen zu "Gemeinsam auf der Mahü" - Radleraufkommen hat sich verdoppelt - In der Woche nach Ostern sollen die Querungen fixiert sein

Wien - Nach den pinken Piktogrammen, die zu schnelle Radler auf der nun verkehrsberuhigten Wiener Mariahilfer Straße bremsen sollen, ist am Donnerstag der zweite Schritt der Kampagne "Gemeinsam auf der Mahü" angelaufen. Flyeraktionen und ein Lastenrad sollen die Radfahrer daran erinnern, dass in der Fußgängerzone Schrittgeschwindigkeit und Rücksichtnahme gelten.

Für "besonders regelkonforme" Radler, wie der städtische Radbeauftragte Martin Blum es formulierte, gibt es dann auch gleich eine Belohnung in Form eines rosa Lenkerblümchens. Mindestens dreimal in der Woche - Dienstag und Donnerstag in der Rushhour sowie Samstag ganztägig - wollen die Teams bis zum Beginn des Umbaus unterwegs sein. "Wir wollen die Radler mit unseren Flyern noch einmal darauf aufmerksam machen, dass Fußgänger in der Fußgängerzone absoluten Vorrang haben", meinte Blum.

Denn das Radfahreraufkommen habe gegenüber der Zeit vor der Verkehrsberuhigung praktisch verdoppelt. "Früher sind hier an guten Tagen circa 2.500 Menschen mit dem Rad unterwegs gewesen, heute sind es 5.000", so der Radbeauftragte. Beschwerden habe es allerdings bisher kaum gegeben. "Da ist der Ringradweg immer noch der Spitzenreiter", sagte die Wiener Fußgängerbeauftragte Petra Jens.

Zeit des Sammelns ist vorbei

Ebenfalls am Donnerstag gab Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) bekannt, dass nach dem Sammeln aller Begehrlichkeiten von Handel über Bezirke bis hin zu Bürgerinitiativen die Verkehrsfachleute nun am Querungskonzept für die Straße tüfteln. In der Woche nach Ostern soll der Plan stehen. Sie selbst werde sich nun nicht mehr einmischen und dem fertigen Vorschlag folgen.

Ziel sei eine "bestmögliche Verkehrslösung", so Vassilakou, wobei: "Der Expertenvorschlag wird keiner sein, der alle glücklich machen kann, und wird vielleicht auch nicht alle meine Vorstellungen beinhalten." Tatsächlich klaffen die Anliegen der Beteiligten, die berücksichtigt werden sollen, teils weit auseinander.

Die Wirtschaftskammer plädiere etwa für die Öffnungen der Querungen Theobaldgasse/Karl-Schweighofer-Straße (wodurch auf einem Stück der unteren Begegnungszone Gegenverkehr erlaubt werden müsste, Anm.), Otto-Bauer-Gasse/Zieglergasse und Schottenfeldgasse/Webgasse inklusive Wiederherstellung der durchgehenden Einbahnen, so die Stadträtin. Der "Club der Unternehmer der Mariahilfer Straße" schlägt gar kostenpflichtige Schranken bei Querungen vor, die lediglich für Anrainer gratis zu passieren wären. Unter den Bürgerinitiativen spannt sich der Bogen von der Herstellung des Zustands vor der Verkehrsberuhigung bis hin zu stärkeren Verkehrsberuhigungsmaßnahmen in Nebenstraßen.

Einigkeit bei Schottenfeldgasse/Webgasse

Zumindest SPÖ und Grüne dürften sich großteils einig sein. Laut Vassilakou haben die Fraktionen beider Bezirke bereits deponiert, dass man für die Öffnung Schottenfeldgasse/Webgasse, aber gegen eine Verbindung Otto-Bauer-Gasse/Zieglergasse sei. Die Roten wünschen sich zudem die Querung Capistrangasse/Stiftgasse bzw. Kirchengasse. Die Grünen können sich vorstellen, auch die Querung Zollergasse/Nelkengasse zu öffnen - allerdings nur zu Lieferzeiten. Grundsätzlich gelte: Querungen ja, Durchzugsverkehr nein.

Letzteres hat auch Vassilakou dem Expertenteam zur Vorgabe gemacht. Außerdem will sie eine Lösung, die das "möglichst ungestörte Flanieren" in der Fußgängerzone ermöglicht und die Einhaltung der 13A-Intervalle gewährleistet.

Die Ausarbeitung des Konzepts sollen federführend die Verkehrs- und Planungsfachleute Harald Frey (TU Wien), Werner Rosinak (Rosinak + Partner) und Roman Molitor (Komobile) besorgen. "Die Aufgabe ist nicht so unlösbar, wie sie im ersten Moment scheint", versicherte Rosinak am Donnerstag, auch wenn die Forderungen "widersprüchlich und konfliktbeladen" seien. Wichtig ist dem Team, dass Wohnstandorte und Garagen gut erreichbar sind und der Lieferverkehr "ohne große Umwege" auskommt. "Aber ich sage nicht: Ohne gar keine Umwege", so Rosinak.

Das fertige Konzept kann bereits acht Wochen nach Vorliegen in Kraft treten, kündigte die Verkehrsstadträtin an. Mitspielen müssen freilich wieder einmal die Bezirke, da sie den Expertenvorschlag theoretisch auch blockieren könnten.

Das Querungsgremium beschäftigt sich übrigens nur mit der Verkehrslösung. Andere Forderungen wie Nachtparken auf der verkehrsberuhigten Mahü sehe man sich in anderer Runde separat an, hieß es. (APA, 10.4.2014)

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    foto: wikimedia/darkweasel94
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