Italien rettete seit Oktober 18.546 Migranten

10. April 2014, 13:51
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700.000 Menschen in Libyen warten laut italienischem Innenministerium auf Überfahrt nach Europa

Rom - 18.546 Migranten sind im Mittelmeer von Schiffen der italienischen Marine seit Beginn des Einsatzes "Mare Nostrum" am 18. Oktober gerettet worden. Im gesamten Jahr 2013 trafen 42.925 Flüchtlinge in Italien ein, das sind 224 Prozent mehr als im Jahr davor, teilte der Chef der italienischen Marine, Admiral Giuseppe De Giorgio, bei einer Pressekonferenz mit ausländischen Journalisten in Rom mit.

Vier Schiffe der italienischen Marine und 920 Militärs sind seit Beginn der Mission "Mare Nostrum" täglich zur strikteren Überwachung des Mittelmeeres im Einsatz. Diese Mission hatte im Oktober nach zwei Schiffsunglücken vor Lampedusa mit mehr als 360 Toten begonnen. Der Einsatz kostet den italienischen Staat neun Millionen Euro pro Monat. "Es handelt sich um Finanzierungen aus dem Budget der Marine, für die der italienische Staat nicht zusätzlich aufkommen muss", berichtete De Giorgio. Seit Oktober musste die Marine 117-mal ausrücken, um Migranten in Seenot in Sicherheit zu bringen.

66 Schlepper festgenommen

Flüchtlinge, die an Bord der Schiffe der italienischen Marine gelangen, werden fotografiert, identifiziert und medizinischen Kontrollen unterzogen. Vor allem die Zahl der Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien hat in den vergangenen Monaten dramatisch zugenommen. Untersuchungen werden eingeleitet, um festzustellen, ob sich unter den Flüchtlingen auch Menschenhändler befinden.

Seit Beginn des Einsatzes wurden 66 Menschenhändler festgenommen, die zu bis zu 13 Jahren Haft verurteilt wurden. Dabei handelt es sich mehrheitlich um Ägypter. Die meisten Flüchtlingsschiffe starten aus Libyen. "Die meisten Migranten wollen nicht in Italien bleiben, sondern nach Frankreich oder Deutschland weiterreisen, wo oft Angehörige und Freunde leben", betonte der Admiral. Wenn die Migranten auf italienischen Boden gelangen, werden sie in verschiedenen Auffanglagern in Italien untergebracht.

De Giorgio berichtete, dass nach Angaben des italienischen Innenministeriums über 700.000 Menschen in Lagern in Libyen auf die Abfahrt nach Italien warten. Dies sei ein dramatisches Problem, das seiner Ansicht nach auf internationaler Ebene in Angriff genommen werden müsse.

Admiral: Zahl der Migranten hat nicht zugenommen

"Es stimmt nicht, dass seit Beginn unseres Einsatzes die Zahl der Migranten zugenommen hat. Ich bin nicht der Ansicht, dass unsere humanitäre Mission die illegale Einwanderung fördert, wie jemand behauptet", erklärte De Giorgio.

"Unsere Pflicht ist es nicht, zu verhindern, dass Migranten Italien erreichen. Wir müssen verhindern, dass Unschuldige bei dieser biblischen Auswanderung ums Leben kommen und sicherstellen, dass Menschenhändler verhaftet werden. Und das ist uns auch gelungen. Seit Beginn des Einsatzes ist kein Migrant ums Leben gekommen", so der Admiral. Es wurde lediglich ein Toter an Bord eines Bootes gefunden, der Mann soll an einem Herzinfarkt gestorben sein.

Circa 3.000 Flüchtlinge wurden allein am Mittwoch von der italienischen Marine und von Handelsschiffen im Mittelmeer an Bord genommen. Wegen der dramatischen Zunahme hatte Innenminister Angelino Alfano am Vorabend einen Krisengipfel einberufen. Der Minister forderte mehr europäische Unterstützung, um den Notstand bewältigen zu können. "Italien steht unter stärkstem Flüchtlingsdruck aus Libyen. Die Ankunft von Booten reißt nicht ab, und der Notstand wird immer größer", sagte Alfano. (APA, 10.4.2014)

  • Von der italienischen Küstenwache gerettete Migranten.
    foto: ap photo/italian navy

    Von der italienischen Küstenwache gerettete Migranten.

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